Am 15. Juni wurde in Walldürn der »Großer Blutfeiertag« feierlich begangen, welcher den Höhepunkt der vierwöchigen Hauptwallfahrtszeit bildet. Cfr. Dr. Martin Seitz, der Ltd. Komtur der Komturei St. Bonifatius Walldürn konnte zu dem regionalen Großereignis Ordensmitglieder aus den Komtureien St. Bernhard von Clairvaux Mannheim/Heidelberg, St. Hildegard Mainz/Wiesbaden, St. Georg Ravensburg, Regina Coeli Speyer/Kaiserslautern und St. Martin Stuttgart begrüßen. Außerdem war mit Cfr. Dr. Peter Müller der Präsident der Ordensprovinz Südwestdeutschland anwesend.

Die Walldürner Wallfahrt – die gelebte Wirklichkeit in der Nachfolge des Herrn

Hauptzelebrant des Pontifikalamts am Morgen war wieder – wie in den Vorjahren – S.E. Cfr. Erzbischof Stefan Burger aus Freiburg. In seiner Predigt betonte er, dass die Walldürner Wallfahrt die gelebte Wirklichkeit in der Nachfolge des Herrn darstellt. Das Leitwort der diesjährigen Wallfahrt »Ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben« interpretierte er als eine »Steilvorlage« und Herausforderung für den christlichen Glauben. »Vor diesem Hintergrund dürfen wir auch die momentane kirchliche Situation näher in den Blick nehmen«, wie den seit Jahren dauernden Schwund kirchlichen Lebens in den Diözesen. So ist in Deutschland der Anteil der Christen erstmals unter 50% gefallen. Allenthalben erlebt man im politischen und kirchlichen Bereich eine Polarisierung, die es immer schwieriger mache. So muss sich die Kirche wieder auf das Wesentliche konzentrieren und auf das besinnen, was christlichen Glauben eigentlich ausmacht.

Im Anschluss an das Pontifikalamt führte die feierliche Prozession durch die festlich geschmückte Walldürner Innenstadt. Bei dem anschließenden Empfang hatten die Consorores und Confratres Zeit sich mit S.E. Cfr. Erzbischof Stefan Burger im Gespräch auszutauschen.

Empfang mit dem Erzbischof © Cfr. Torsten Englert

Walldürn ist der größte eucharistische Wallfahrtsort in Deutschland

Die Wallfahrt zum Heiligen Blut in Walldürn ist der größte eucharistische Wallfahrtsort in Deutschland, den rund 80.000 Pilger jährlich besuchen. Walldürn gehört damit zu den bekanntesten Wallfahrtsstädten in Deutschland. Die jährliche Hauptwallfahrtszeit erstreckt sich über vier Wochen und beginnt immer am Sonntag nach Pfingsten mit dem Fest der Heiligen Dreifaltigkeit. In dieser Zeit kommen rund hundert Fußwallfahrtsgruppen nach Walldürn, die oftmals mehrere Tage unterwegs sind. Die Wallfahrt »Zum Heiligen Blut« wird seit ihrer Entstehung jährlich ohne Unterbrechung durchgeführt. Weder Strafen, Gefängnis, Krieg, Hunger und Seuchen konnten die Pilger abhalten, ihren Weg zu gehen. In den vergangenen beiden Jahren der Corona-Pandemie gab es keine offiziellen Wallfahrtsveranstaltungen.

Das Walldürner Leinentüchlein

In der Stadt Walldürn im Odenwald wird in der Wallfahrtkirche, die dem Heiligen Georg geweiht ist, in einem Silberschrein über dem Blutaltar (1626 wurde der Altaraufbau von dem Künstler Zacharias Juncker aus Alabaster und Sandstein gefertigt) ein Leinentüchlein (Korporale) aufbewahrt, das von dem Priester Heinrich Otto als Unterlage für Kelch und Hostie im Gottesdienst im Jahre 1330 benutzt worden war. Während der Messe hatte dieser aus Unachtsamkeit den Kelch mit dem konsekrierten Wein umgestoßen, der sich auf das Korporale ergoss. Es zeichnete sich das Bild des Gekreuzigten, umgeben von elf »Veronicae« (das dornenumwundene Haupt Christi) ab.

Heinrich Otto versteckte voll Schrecken das Leinentüchlein unter der Altarplatte und erst auf dem Sterbebett gestand er das Geheimnis des verborgenen »blutigen Korporales«.

Schnell verbreitete sich die Nachricht von diesem Zeichen, das Gott in Walldürn bewirkt hatte, und die ersten Pilger kamen zur Verehrung des kostbaren Blutes unseres Herrn Jesus Christus nach Walldürn. Im Jahre 1408 wurde das Kelchtuch dem zuständigen Fürstbischof von Würzburg, Johann I. von Egloffstein, zur Prüfung und Genehmigung der Wallfahrt vorgelegt und im Jahre 1445 zu Papst Eugen IV. nach Rom gebracht, der eine Ablassurkunde ausstellte, die die Abbildungen erwähnt. Die ersten großen Wallfahrten sind um 1456 bezeugt, Papst Urban VIII würdigte die Wallfahrt und bat um das Gebet der Pilger für die Einigkeit der christlichen Völker.

Ordensteilnehmer am Blutfeiertag © Cfr. Bernd Stieglmeier

Um das Jahr 1920 wurde ein weißes Schutztuch aus Leinen hinter dem Korporale befestigt. Als man nun am 23. März 1950 das Schutztuch mit einer QuarzIampenbestrahlung untersuchte, wurde auf ihm eine Vergilbung sichtbar, die das Bild des gekreuzigten Heilands umriss. Fachleute sind der Ansicht, die Gestalt des im Gewebe des Korporale vor Jahrhunderten vertrockneten Weines habe das Durchströmen des Lichtes so behindert, dass im Laufe von drei Jahrzehnten sich diese Vergilbungsumrisse auf dem Schutztuch abzeichnen konnten. Im Jahre 1962 hat Papst Johannes XXIII. die barocke Wallfahrtskirche zur Basilika minor erhoben. Sie wurde von 1938 bis 2007 vom Augustinerorden und seither von Franziskaner-Minoriten sehr segensreich betreut.

Ein bedeutendes Wallfahrtsereignis

Mit dem Großen Blutsfeiertag, der eine Woche nach Fronleichnam gefeiert wird, begehen die Walldürener und mit ihnen viele Hunderte Wallfahrer den größten und bedeutendsten Feiertag im Verlauf der vierwöchigen Wallfahrtszeit.

Cfr. Torsten Englert

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