Am 16. März 2025 versammelten sich zahlreiche Ordensmitglieder anlässlich der Feier des Papstsonntags im Dom zu Unserer Lieben Frau in München. Stellvertretend für S. Em. Großprior Reinhard Kardinal Marx, der aufgrund einer Armverletzung nicht teilnehmen konnte, jedoch seine Grüße übermittelte, stand dankenswerterweise der Prior der Ordensprovinz Bayern, Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg-Stolberg, dem Pontifikalamt vor.

Ein Pontifikalamt im Zeichen der Hoffnung

Am Papstsonntag wurde in einem feierlichen Pontifikalamt der 12. Jahrestag der Wahl von Papst Franziskus begangen. Die Feier stand unter dem Leitmotiv des Heiligen Jahres 2025: Pilger der Hoffnung. In seiner Predigt nahm Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg-Stolberg diese Thematik auf und verband sie mit den Herausforderungen unserer Zeit. Er betonte, dass Hoffnung – insbesondere in Krisenzeiten – von zentraler Bedeutung für Christen sei. Die Worte des Papstes aus der Verkündigungsbulle „Spes non confundit“ (Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen) bildeten dabei den theologischen Rahmen.

(c) oessh.net / Dr. Oliver Cerza

Hoffnung in unsicheren Zeiten – eine christliche Perspektive

Papst Franziskus weist darauf hin, dass in jedem Menschen eine Sehnsucht nach Hoffnung lebt. Doch diese Hoffnung steht oft im Spannungsfeld zwischen Zuversicht und Angst, zwischen Gelassenheit und Unsicherheit. Gerade in der heutigen Zeit begegnen uns immer mehr Menschen, die mit Pessimismus und Skepsis auf die Zukunft blicken – angesichts geopolitischer Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheiten und einer zunehmend angespannten gesellschaftlichen Atmosphäre.

Auch Christen sind vor dieser Unsicherheit nicht gefeit. Doch für sie sollte Hoffnung nicht bloß ein vager Wunsch sein, sondern eine innere Gewissheit, die auf Jesus Christus gründet. Dennoch fällt es selbst gläubigen Menschen schwer, diese Hoffnung in Zeiten der Krise lebendig zu halten. Das Heilige Jahr will daher ein Jahr der Erneuerung und Stärkung der Hoffnung sein – nicht als weltfremde Utopie, sondern als Kraftquelle, die durch das Vertrauen auf Christus trägt.

Die Verklärung Christi als Zeichen der Hoffnung

In diesem Zusammenhang führte Weihbischof Stolberg die biblische Erzählung von der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor an. Dieses Ereignis, das nur von den drei Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes miterlebt wurde, ist ein Moment göttlicher Offenbarung. In der strahlenden Lichtgestalt Jesu wird für einen Augenblick die Herrlichkeit Gottes sichtbar – ein Vorgeschmack der Auferstehung und ein Zeichen der Hoffnung.

Doch der Zeitpunkt der Verklärung ist bemerkenswert: Er geschieht in einer Phase, in der sich der Widerstand gegen Jesus zunehmend formiert. Während zu Beginn seines Wirkens die Menschen von seinen Worten und Wundern begeistert waren, schlagen nun Misstrauen und Ablehnung um sich. Die politische Lage in Israel ist ebenfalls angespannt. Das jüdische Volk lebt unter römischer Besatzung, und die Konflikte mit der heidnischen Kultur des Imperiums nehmen zu. Die größte Katastrophe, die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70, steht bereits am Horizont.

In genau diese kritische Zeit hinein schenkt Gott den Aposteln eine Vision der Hoffnung: die Offenbarung der göttlichen Herrlichkeit Jesu. Doch die Jünger verstehen zunächst nicht, was sie sehen. Sie erleben den Moment der Verklärung, aber in der folgenden Passion Jesu verlieren sie dennoch den Mut. In der Nacht am Ölberg schlafen sie ein, am Karfreitag fliehen sie. Die Erfahrung der Hoffnung war da – aber sie brauchte Zeit, um im Herzen zu reifen.

Hoffnung bedeutet nicht die Abwesenheit von Krisen, sondern das Durchtragen durch sie

Ein zentrales Missverständnis über Hoffnung ist die Vorstellung, dass sie Krisen vermeiden würde. Doch das Gegenteil ist der Fall: Gott verspricht keine Welt ohne Leid und Schwierigkeiten. Vielmehr schenkt er die Kraft, durch sie hindurchzugehen. Die Verklärung Jesu zeigt, dass das Licht der Auferstehung bereits inmitten der Dunkelheit aufscheint.

Auch für Christen heute gilt: Hoffnung bedeutet nicht, dass alles sofort gut wird. Sie bedeutet, dass Gott an unserer Seite ist – auch dann, wenn wir uns in dunklen Tälern befinden. Diese Hoffnung ist nicht nur für uns selbst bestimmt, sondern wir sind gerufen, sie in die Welt hinauszutragen. In einer Zeit, in der viele Menschen von Angst und Unsicherheit geprägt sind, sollen Christen Pilger der Hoffnung sein – Lichtträger in der Dunkelheit, die den Blick auf das größere Ziel nicht verlieren.

Das Gebet als Quelle der Hoffnung

Ein entscheidender Weg, um diese Hoffnung zu nähren, ist das Gebet. Der Evangelist Lukas erwähnt ein kleines, aber wesentliches Detail über die Verklärung Jesu: Während Jesus betete, veränderte sich sein Aussehen. Die anderen Evangelisten lassen dieses Element weg. Doch gerade hier liegt ein Schlüssel: Die Verwandlung, das Durchscheinen der göttlichen Herrlichkeit, geschieht im Gebet.

Deshalb ermutigte Weihbischof Stolberg die Gläubigen, sich Zeit für das Gebet zu nehmen. Gerade in herausfordernden Zeiten braucht es Momente der Stille und des Innehaltens, in denen wir uns neu auf Gott ausrichten. Denn das Gebet verändert nicht nur unsere Sichtweise – es verändert uns selbst und stärkt uns in der Hoffnung.

Pilger der Hoffnung in einer herausgeforderten Welt

Das Heilige Jahr 2025 lädt dazu ein, neu in die Schule der Hoffnung zu gehen. Es ist eine Erinnerung daran, dass Christen nicht Menschen der Resignation, sondern der Zuversicht sind. Hoffnung stirbt nicht – im Gegensatz zu dem oft zitierten Sprichwort Die Hoffnung stirbt zuletzt. Nein, christliche Hoffnung stirbt niemals. Sie bleibt bestehen, weil sie in Gott gründet, der treu ist.

Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg schloss seine Predigt mit dem Wunsch, dass jeder Gläubige in seinem Leben Momente der Verklärung erfahren möge – Augenblicke, in denen die Gegenwart Gottes spürbar wird. Denn diese Erfahrungen geben uns die Kraft, auch schwierige Zeiten zu durchstehen und als Pilger der Hoffnung auf das Ziel zuzugehen: die Begegnung mit Jesus Christus.

Ausklang in der ehemaligen Karmeliterkirche

Die nachklingende Predigt unseres Provinzpriors beim Stehempfang in der ehemaligen Karmeliterkirche war Anlass zu anregenden Gesprächen, so dass der 2. Fastensonntag, trotz nasskaltem Wetter, einen würdigen und inspirierenden Abschluss fand, der die Gemeinschaft stärkte und Raum für tiefgehenden Austausch bot.

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