Text: Domdekan Hans Bauernfeind, Prior der Komturei St. Michael, Passau
Dritter Adventssonntag 2025A   Jes 35, 1-6b.10   Jak 5, 7-10   Mt 11, 2-11

„Freut mich sehr!“

Verehrte Consorores und Confratres,
beim Vorbeigehen an einer Caféterrasse meinte ich, jemanden zu kennen. Ich winkte. Mein Gegenüber hob ebenfalls die Hand. Mitten im Gruß merkten wir, dass wir uns geirrt hatten. Wir kannten uns gar nicht. Der Fremde löste die Situation auf. Er sagte: „Entschuldigung. Aber fühlen Sie sich dennoch gegrüßt.“ Ich antwortete mit einem „Grüß Gott. Freut mich sehr!“.
Von Herzen danke ich dem fremden Zeitgenossen für seine wunderbare Reaktion. Da macht es Freude, für jemanden neu Mitmensch zu werden. Vermutlich werden an Weihnachten nicht wenige mit dem Gedanken „fremdeln“, dass Gott Mit-Mensch wird. Doch er sehnt sich danach, uns die Gemeinschaft mit ihm anzubieten. Mit ihr möchte er uns eine Freude schenken, die niemals endet. Das freut ihn von Herzen. Wo Gott hinkommt, können Fremde zu Freunden werden – aus Menschen, die Gott nicht kennen und verstehen, werden Gottesfreunde.

Von der Freude, ein Christ / eine Christin zu sein

Von der Freude spricht auch der dritte Adventssonntag, allgemein „Gaudete (Freut euch!)“ genannt. Im Eröffnungsvers der Liturgie steht das Wort des Paulus an die Gemeinde in Philippi: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe (Phil 4,4–5).“ Es fällt auf, dass Paulus mit Nachdruck von der Freude spricht. Die Adressaten in Philippi wissen um seine schwere Lage. Er sitzt im Gefängnis, und es geht um sein Leben. Der Einsatz für Christus hat ihn in diese missliche Lage gebracht. Dennoch ruft Paulus den Christen zu: „Freut euch!“ Dies wird für seine Leserschaft irritierend sein. Darum spricht er noch einmal nachdrücklich: „Freut euch!“ Wie er sich freut, dass am Horizont des Lebens Jesus Christus steht, der Sohn Gottes, und wie er sich von Jesus in seinem Herzen aufgerichtet weiß, so soll es auch die christliche Gemeinde sein. Darum schreibt er: „Denn der Herr ist nahe.“
Die Rede, dass der Herr nahe ist, vermag die Philipper zu trösten. Für sie kommt Christus wie ein Heiland auf sie zu und ist schon bei ihnen. Er hilft ihnen, getröstet christlich zu leben.

Gaudete-Botschaft des dritten Advents

Die Schrifttexte des heutigen Gaudete-Sonntags zeigen uns eine Fülle derartiger Erfahrungen mit Gott. Sie beschreiben, wie befreiend die Nähe Gottes bei den Israeliten erlebt wurde (vgl. Jes 35,1–6b.10) und warum die frühen Christen keine Angst vor dem Ende der Welt hatten (vgl. Jak 5,7–10). Auch bezeugen sie, dass die Menschwerdung Gottes der jungen Kirche unendlich viel Mut und Lebenskraft verliehen hat (vgl. Mt 11,2–11). So hören wir:
Das Land werde jubeln, jauchzen und blühen. – Jauchzen, „ja jauchzen und frohlocken“ werde die Steppe. – Die „Herrlichkeit des HERRN“ werden alle sehen. – Alle vermögen ihre schlaffen Hände zu stärken und die wankenden Knie zu festigen. – Alle können stark sein und werden sich nicht fürchten. – Gott höchstselbst werde kommen und retten. – Die Augen der Blinden werden aufgetan. – Die Ohren der Tauben werden geöffnet. – Der Lahme werde springen wie ein Hirsch. – Die „Zunge des Stummen“ werde frohlocken. – Ewige Freude werde alle erfüllen. – „Jubel und Freude stellen sich ein“. – „Kummer und Seufzen entfliehen“. Der Verfasser des Jakobusbriefes ermutigt die Gemeinde, die Herzen stark zu machen, weil die Ankunft des Herrn bevorstehe. Beim Evangelisten Matthäus spricht Jesus: „Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet.“

Frohe Botschaft von Weihnachten

Mit der Geburt Jesu Christi offenbart sich ein Gott der Hoffnung und der Freude. Mit Weihnachten wird wahr, was Gott durch die Propheten angekündigt hat. Die gute Saat des Himmelreiches geht mit der Menschwerdung auf. Gott macht alle satt mit seiner entgegenkommenden Liebe. Er stärkt alle, die mit ihm diese Welt mit der Liebe des Himmels erneuern wollen. Wer sich Christ oder Christin nennt, gehört zum Himmelreich, hat die Kraft, die Welt in Frieden und Liebe zu gestalten – und wird ewig leben in Gott. Das ist die Frohe Botschaft von Weihnachten für alle Menschen und die ganze Schöpfung – sichtbar geworden im neugeborenen Sohn Gottes.

Von der Freude, im Orden zu wirken

Als Damen und Ritter des Ordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem bekennen wir uns am heutigen dritten Adventssonntag zu dieser Frohen Botschaft. Wir dürfen uns freuen, mitzuwirken an dem, was Gott in seiner Geburt an Segen und Heil schenken will. Wir können mit ihm zusammen den Menschen im Heiligen Land dienen und allen Armen das Evangelium verkünden. Im Geist des Friedens sind wir dazu berufen.

Deus lo vult. Amen.

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