Text: Csr. Dr. Miriam Thea Salentin / Cfr. Dr. Benedikt Raether
Das Heilige Jahr 2025 ist beendet, ein neues Kalenderjahr hat begonnen. In der Zeit „zwischen den Jahren“ bleibt Raum für Rück- und Ausblick. Für die Ordensprovinz Rhein-Main war die Pilgerreise nach Rom zweifellos die eindrucksvollste Ordensaktivität des Jahres 2025.
Acht Dekaden gemeinsam unterwegs
Zu den zahlreichen Gruppen, die sich im Oktober zur internationalen Pilgerfahrt anlässlich des Heiligen Jahres nach Rom aufmachten, gehörte auch die von der Komturei Pater Maximilian Kolbe Frankfurt organisierte Reisegruppe aus der Ordensprovinz Rhein-Main. Die Altersspanne der 28 Teilnehmenden umfasste nicht weniger als acht Dekaden – vom jüngsten Pilger Christoph, gerade einmal ein Jahr alt. Seine Eltern ahnten zu Beginn der Reise noch nicht, dass ihr Sohn auf dieser Pilgerfahrt ordensintern internationale mediale Bekanntheit erlangen sollte …

Den Blick von der äußeren Welt auf innere Ruhe und Einkehr richten
Der Organisator und leitende Komtur Cfr. Dr. Marcus Dahmen nahm die Pilger gemeinsam mit Prior Cfr. Andreas Klee – unter ihnen auch Ordensprovinzpräsident Cfr. Erwin Waider mit Gattin Csr. Julia Waider – am Frankfurter Flughafen in Empfang. In Rom erwartete sie Cfr. Pater Martin Wolf OMI zur ersten gemeinsamen Messfeier in den Katakomben von San Sebastiano fuori le mura. An diesem ältesten Zufluchtsort der frühen Christen während der Verfolgungen unter den Kaisern Decius und Valerian, wo einst auch die Gebeine der Märtyrer Petrus und Paulus aufbewahrt wurden, lud Cfr. Pater Martin Wolf OMI die Pilger ein, den Blick von der äußeren Welt abzuwenden und sich in innerer Ruhe und Einkehr der Gegenwart Gottes zu öffnen.

Auch heute Zeugnis der Hoffnung durch Christus ablegen
Der zweite Tag begann in der päpstlichen Basilika San Lorenzo fuori le mura, einer der sieben Pilgerkirchen Roms. Der heilige Laurentius, der auf einem Rost zu Tode gemartert wurde und währenddessen scherzte: „Dreh mich um, auf der einen Seite bin ich gar“, gilt nicht nur als Schutzpatron der Köche und Bäcker, sondern auch der Komiker. In seiner Predigt in Santa Croce in Gerusalemme erinnerte Prior Cfr. Andreas Klee daran, dass das Blut der Märtyrer als Same des Christentums gilt. In der mit Erde aus dem Heiligen Land bedeckten Helena-Kapelle rief er die Pilger dazu auf, wie die Christen in Zeiten der Verfolgung auch heute standhaft Zeugnis für Christus abzulegen und Rechenschaft über die Hoffnung zu geben, die uns durch ihn erfüllt.

Cfr. Bartolo Longo – erstes heiliggesprochenes Ordensmitglied
Am Sonntag stand mit der Heiligsprechung von Cfr. Bartolo Longo ein erster Höhepunkt der Reise an. Die Gruppe durfte die beeindruckende Zeremonie von einer Dachterrasse der Rotunde aus mitfeiern. Am Nachmittag durchschritten die Pilger die Heilige Pforte von Santa Maria Maggiore und besuchten zum Tagesabschluss den Palazzo Romano. Mit der Messe in San Clemente, die gemeinsam mit einem Ritterehepaar aus den USA im Marmorschrankenbereich der Schola cantorum gefeiert wurde, begann der vierte Reisetag, der die Gruppe außerdem zur Basilika Santi Quattro Coronati und zur Lateranbasilika führte.

Dreitägiges offizielles Pilgerprogramm
Am nächsten Tag begann das dreitägige offizielle Pilgerprogramm des Ordens, das Cfr. Pater Martin Wolf OMI für die Gruppe aus Rhein-Main mit einer Andacht in Santa Maria degli Angeli eröffnete. Er lud dazu ein, sich der Gegenwart Gottes bewusst zu werden, und erläuterte, dass der früher übliche Viertelstundenschlag der Kirchenglocken nicht nur an die Zeit, sondern an die dauerhafte Präsenz Gottes erinnern solle. Die anschließende Messe in Sankt Paul vor den Mauern mit 3.700 Rittern und Damen wird allen Teilnehmenden unvergesslich bleiben.

Eine weitere große Messe wurde am Mittwoch nach dem Durchschreiten der Heiligen Pforte im Lateran mit allen Ordenspilgern gefeiert, bevor am Donnerstag mit der Papstaudienz und der anschließenden Messe im Petersdom der Höhepunkt der gesamten Pilgerfahrt erreicht wurde.

Die Botschaft Christi verändert die Welt – damals wie heute
Der Abreisetag führte die Pilger aus Rhein-Main nach Castel Gandolfo. In der Kirche San Tommaso da Villanova hielt Prior Cfr. Andreas Klee Rückschau auf die beeindruckenden Tage und fasste sie in der Erkenntnis zusammen, „dass der Glaube in eine größere Dimension hineinführt, die oft nicht in Worte zu fassen ist, aber in der Kunst ihren Ausdruck findet“. Wesentliche Aspekte der Pilgerfahrt seien die Erfahrung von Gemeinschaft und Gespräch – nicht nur innerhalb der Ordensprovinz, sondern vor allem in der weltumspannenden Kirche – und damit gelebte Katholizität im besten Sinn. Die Botschaft Christi, dass Gott jeden Einzelnen beim Namen ruft, ihm den Rücken stärkt und ihn in seine Hände einschreibt, verändere die Welt – damals wie heute.

