Paris – In der Kathedrale Notre-Dame de Paris ist am Freitag, dem 20. März, die Dornenkrone Jesu Christi zur Verehrung ausgesetzt worden. Die Andacht steht in der Tradition der freitäglichen Verehrung und erhält im Kontext der Kar- und Osterzeit eine besondere geistliche Tiefe. Organisiert und geistlich begleitet wird die Verehrung durch die französische Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, die damit einen besonderen Beitrag zur Pflege dieser Form der Passionsfrömmigkeit leistet.

Die Dornenkrone zählt zu den bedeutendsten Reliquien der Christenheit. Nach der Überlieferung wurde sie Jesus Christus vor seiner Kreuzigung aufgesetzt. Im Jahr 1239 gelangte sie nach Frankreich: König Ludwig IX. erwarb sie aus Konstantinopel und ließ für ihre Aufbewahrung die Sainte-Chapelle errichten. Später wurde sie in die Kathedrale Notre-Dame überführt.

Ihre Verehrung ist Ausdruck einer zutiefst christozentrischen Frömmigkeit. Die Dornenkrone führt in die Betrachtung der Passion Christi hinein – in jenes Leiden, das die Kirche in der Karwoche besonders vergegenwärtigt. Zugleich erschließt sich ihre volle Bedeutung erst im Licht von Ostern: Das Leiden Christi ist auf die Auferstehung hingeordnet. Die Dornenkrone steht damit nicht nur für Schmerz und Erniedrigung, sondern auch für die Verheißung des neuen Lebens.

Dass die Reliquie auch über den Karfreitag hinaus verehrt wird, entspricht dieser inneren Einheit von Kreuz und Auferstehung. Die Kirche betrachtet die Passion stets im Horizont des Ostermorgens. So wird die Dornenkrone zu einem österlichen Zeichen: Aus dem Kreuz erwächst die Herrlichkeit, aus dem Leiden die Hoffnung.

Diese Deutung erhielt durch den Brand von Notre-Dame im April 2019 eine eindrückliche Bestätigung. Während große Teile der Kathedrale zerstört wurden, konnte die Dornenkrone unter großem persönlichen Einsatz gerettet werden. An der Bergung war maßgeblich ein Priester beteiligt, der Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ist und gemeinsam mit der Feuerwehr die Reliquie in Sicherheit brachte.

In kirchlicher Deutung wurde dieses Ereignis vielfach als Zeichen verstanden, dass das Geheimnis von Leiden und Auferstehung – das Herz des christlichen Glaubens – auch inmitten von Zerstörung bewahrt bleibt. Die unversehrte Dornenkrone wurde so selbst zu einem österlichen Symbol: Bewahrung im Feuer, Leben trotz Bedrohung.

Für den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem besteht eine tiefe geistliche Verbindung zu dieser Reliquie. Der Orden ist dem Heiligen Land verpflichtet – jenem Ort, an dem sich das Pascha-Mysterium vollzogen hat: Leiden, Tod und Auferstehung Christi. In der Grabeskirche in Jerusalem wird das leere Grab als Ort der Auferstehung verehrt; von dort her erschließt sich auch die Dornenkrone als Teil desselben Heilsgeschehens.

Die Spiritualität des Ordens ist daher wesentlich österlich geprägt. Die Betrachtung der Passion ist immer auf die Auferstehung hin ausgerichtet. In diesem Sinne wird die Dornenkrone zu einem sichtbaren Zeichen der Hoffnung – auch für die Christen im Heiligen Land, deren Leben bis heute von Spannungen geprägt ist und die zugleich aus der österlichen Botschaft Kraft schöpfen.

So wird die Verehrung der Dornenkrone in Notre-Dame zu einem Ausdruck weltkirchlicher Gemeinschaft. Sie verbindet die Gläubigen in der Betrachtung des Leidens Christi mit der Hoffnung auf seine Auferstehung. Im Zeichen der Dornenkrone verdichtet sich das Zentrum des christlichen Glaubens: das österliche Geheimnis, in dem Kreuz und Leben, Tod und Auferstehung untrennbar miteinander verbunden sind.

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