Erzbischof Gössl über Kreuz und Gegenwart – Ritterorden mit Blick auf das Heilige Land
Bamberg – In tiefer Stille und geistlicher Sammlung hat die Kirche am Karfreitag im Bamberger Dom des Leidens und Sterbens Jesu Christi gedacht. Die Liturgie wurde von Erzbischof Herwig Gössl geleitet und führte die Gläubigen in das zentrale Geheimnis des Glaubens: das Kreuz als Ort der Hingabe, der Erlösung und der Hoffnung.
An der Feier nahmen auch Vertreter der Komtureien St. Heinrich und Kunigunde Bamberg sowie der Komturei Caritas Pirckheimer Nürnberg des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem teil. Die Komturei Bamberg steht dabei zugleich vor einem besonderen Ereignis: Am kommenden Wochenende begeht sie ihr 65-jähriges Promulgationsjubiläum. Die Präsenz der Ordensmitglieder machte die enge Verbundenheit mit dem Heiligen Land und die weltkirchliche Dimension des Karfreitags sichtbar.

Der Karfreitag führt die Kirche an den Ort der größten Verdichtung des Heilsgeschehens. In der Verkündigung der Passion, in der ehrfürchtigen Kreuzverehrung und in den Großen Fürbitten tritt die Kirche gleichsam an den Fuß des Kreuzes. Die bewusste Abwesenheit der Eucharistie vertieft die Erfahrung von Stille und Erwartung – und verweist zugleich auf die Hoffnung, die sich im Ostergeheimnis erfüllt.

In seiner Predigt stellte Erzbischof Gössl das Geschehen von Golgota in einen eindringlichen Bezug zur Gegenwart. Er warnte vor einer „Kultur des Todes“ und bezeichnete Kriege als „eine Schande für die Menschheit“. Die Kreuzigung Jesu sei eine grausame Hinrichtung gewesen, ausgeführt in einer erschreckenden Selbstverständlichkeit. Zugleich zog der Erzbischof Parallelen zur Gegenwart: „Heute werden munter Kriege vom Zaun gebrochen, Menschen werden massenhaft, oft von der eigenen Regierung, verfolgt und gezielt umgebracht, um die eigene Macht, das eigene Überleben zu sichern.“
Die Vorstellung, Gewalt könne Probleme lösen, wies Gössl entschieden zurück. „Noch schlimmer ist freilich, wenn der Tod gezielt herbeigeführt wird, wenn er kühl berechnend zu einer ernsthaften Handlungsoption gemacht wird“, sagte er und erinnerte an die Warnung von Johannes Paul II..
Zugleich stellte der Erzbischof die christliche Hoffnung in den Mittelpunkt. „Das Kreuz Christi hat die Macht des Todes gebrochen“, betonte Gössl. Seit Christus den Tod auf sich genommen habe, könne kein Mensch mehr durch den Tod endgültig zum Schweigen gebracht werden. Gerade die Opfer von Gewalt seien in Gott aufgehoben. „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.“

Diese Botschaft prägte auch die Feier im Dom, die in einer gewachsenen liturgischen Tradition steht und das Geschehen von Golgota in die Gegenwart hinein vergegenwärtigt. Die Ausrichtung auf das Heilige Grab, die Stille des Raumes und die Zeichenhandlungen der Liturgie führten die Gläubigen in eine geistliche Teilnahme am Leiden Christi.
Gerade darin wurde die Verbindung zum Heiligen Land konkret erfahrbar. Die heiligen Stätten in Jerusalem – Golgota und das Grab des Herrn – sind bleibende Bezugspunkte des Glaubens. Von dort her erschließt sich die Tiefe des Karfreitags, und dorthin richtet sich zugleich der Blick der Weltkirche im Gebet und in tätiger Solidarität.
Auch für den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem wurde dies in der gemeinsamen Feier sichtbar. Sein Auftrag, das Gedächtnis an das Heilige Grab lebendig zu halten, den Glauben zu stärken und die Christen im Ursprungsland unseres Glaubens zu unterstützen, konkretisiert sich im gemeinsamen Gebet ebenso wie im gelebten Zeugnis. Die Teilnahme der Ordensmitglieder an der Karfreitagsliturgie ist Ausdruck dieser Sendung und verweist auf die ungebrochene geistliche Verbindung mit den Christen im Heiligen Land.
In den Großen Fürbitten weitete sich der Blick der versammelten Kirche über den Dom hinaus auf die Nöte der Welt. Gerade angesichts der aktuellen Konflikte erhält das Gebet am Kreuz eine besondere Tiefe: Es wird zur Fürbitte für Frieden, zur Stimme für die Leidenden und zur Bitte um Versöhnung.
Die Feier endete in stiller Sammlung. Anschließend versammelte sich die Gemeinde in der Nagelkapelle am Heiligen Grab zur Aussetzung der Monstranz und zu stillem Gebet. Damit setzte sich die Liturgie in der Haltung der Grabesruhe fort und verwies auf den weiteren Weg des österlichen Triduums.
