Pontifikalamt im Bartholomäusdom
Knapp eine Woche nach dem Karlsfest in Aachen gedachte auch die Stadt Frankfurt im festlichen Karlsamt im Bartholomäusdom des ersten westeuropäischen Kaisers seit der Antike, der schon zu Lebzeiten „Pater Europae“ genannt wurde.

Gedenken im Geiste eines im Christentum geeinten Europas
Urkundlich verbürgt ist nur ein Aufenthalt Karls des Großen in Frankfurt, und zwar im Winter 793/794 zu einer wichtigen Synode auf dem Domhügel. Dieser Besuch prägte jedoch die Stadtgeschichte nachhaltig, ist er doch mit der ersten urkundlichen Erwähnung der „Franconofurt“ verbunden.

Über 1200 Jahre nach dem Tod Karls des Großen feiert die katholische Stadtgemeinde in Frankfurt alljährlich Ende Januar ein Pontifikalamt zu Ehren des Kaisers, in dem neben der lateinischen Karlssequenz auch die Kaiserlaudes erklingt. Die darin enthaltenen Fürbitten für Kirche, Papst und Bischof, aber auch für das deutsche Volk und alle Regierenden betonen den politischen Aspekt, für den Kaiser Karl als Gallionsfigur steht: ein im Christentum geeintes Europa.

Gastzelebrant S. Em. Cfr. Jean-Claude Kardinal Hollerich SJ, Erzbischof von Luxemburg
Der diesjährige Zelebrant, S. Em. Cfr. Jean-Claude Kardinal Hollerich SJ, war als ehemaliger Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) und einflussreicher Berichterstatter der Weltsynode prädestiniert für die mit Spannung erwartete Homilie. Umso mehr überraschte der Erzbischof von Luxemburg mit ungewöhnlich deutlichen Worten an die Mächtigen der Welt. Kein Land – so Hollerich – habe das Recht, andere Länder zu überfallen, ihre Ölreserven oder ihr Wasser zu nehmen. Karl der Große habe durch seine Bemühungen, einheitliche Grundlagen in den Bereichen Bildung, Verwaltung und Rechtsprechung zu schaffen, den Weg zu einer internationalen Rechtsordnung geebnet, die mit Blick auf das aktuelle Weltgeschehen jedoch offensichtlich infrage gestellt werde. Für uns Christen sei es Pflicht, für den Rechtsstaat einzutreten.

Spalier für den Confrater
Langanhaltender Applaus nach der Predigt würdigte den Zelebranten ebenso wie das Spalier der Ritter und Damen verschiedener Laienorden beim Auszug aus dem Dom. S. Em. Cfr. Jean-Claude Kardinal Hollerich freute sich sichtlich über die zahlreichen Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, in den er selbst am 9. Juli des vergangenen Jahres in Luxemburg als Großkreuzritter investiert wurde.

Verbundenheit über Komturei- und Ländergrenzen hinaus
Die Komturei Pater Maximilian Kolbe wurde von mehreren Ordensgeschwistern aus umliegenden Komtureien verstärkt.
In diesem Jahr nahmen insgesamt 33 Ordensmitglieder aus den Komtureien Pater Maximilian Kolbe, Frankfurt, sowie St. Bonifatius, Fulda, St. Hildegard, Mainz/Wiesbaden, Regina Coeli, Speyer/Kaiserslautern, St. Bonifatius, Walldürn, St. Kilian, Würzburg, St. Matthias, Trier sowie St. Ulrich und Afra, Augsburg, am Karlsamt teil.
Für Cfr. Hollerich war es nicht das erste Karlsamt: Während seines Lizenziats an der Theologischen Hochschule des Jesuitenordens St. Georgen in Offenbach in den Jahren 1989/1990 war er vier Monate als Diakon am Frankfurter Dom tätig.

Domgespräch im Haus am Dom
Weitere Einblicke in die spannende Lebensgeschichte des Luxemburger Kardinals erhielten die Anwesenden beim traditionellen Domgespräch im Haus am Dom, das vor dem Pontifikalamt stattfand. In einer guten Stunde berichtete Hollerich von Kindheit und Jugend im beschaulichen Vianden an der Grenze zu Deutschland. Bereits im zarten Alter von sieben Jahren fasste er den Entschluss, Priester zu werden, und verwirklichte später als einziger seines Abiturjahrgangs den Berufswunsch aus Kindertagen. Studienjahre in Rom und Deutschland, wo er in St. Georgen das Lizenziat erwarb und am Zentrum für Europäische Integrationsforschung in Bonn promovierte, führten ihn schließlich nach Tokio, wo er 2002 in die japanische Provinz des Jesuitenordens eintrat. Globale Weltoffenheit ist das ihn bis heute prägende Leitmotiv.

Die Weite der Welt und ihre Schönheit
Die Erfahrung der „Weite der Welt und ihrer Schönheit“ mündet in seiner persönlichen Erkenntnis, dass „katholisch sein heißt, diese Schönheit zu würdigen und von ihr zu lernen“. So wie Christus auf die Menschen zugegangen sei und im galiläischen Grenzland neben Aramäisch auch Griechisch und Latein gesprochen habe, müsse man auch heute den Fokus auf die Begegnung der Kulturen und den Dialog legen, so Hollerich. Insbesondere die europäische Kirche müsse lernen, sich nicht als „Nabel des Christentums“ zu verstehen. In einer Welt des Umbruchs, in der das Christentum in eine Minderheitensituation geraten sei, könne Kirche nur im Dialog erstarken. Verweigere sie diesen, werde sie weiter schrumpfen. Mit Blick auf die deutsche Amtskirche bedauere er sehr die derzeit sichtbare Spaltung der Bischöfe und rief zur Einheit auf.

Domgespräch und Pontifikalamt sind als Livestream-Mitschnitt über YouTube im Folgenden abrufbar.
