In einem würdevollen und ansprechenden Rahmen wurde in der Benediktinerabtei Stift Neuburg in Heidelberg-Ziegelhausen das 70-jährige Bestehen der Komturei St. Bernhard von Clairvaux Heidelberg/Mannheim des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem gefeiert. Gegründet wurde die Komturei im April 1956 mit der Aufnahme von Abt Cfr. Dr. Albert Ohlmeyer in den Ritterorden vom Heiligen Grab in der Abteikirche von Stift Neuburg. Damals führte sie den Namen »Heiliger Bernhard von Clairvaux zu Stift Neuburg Heidelberg«. Ein Höhepunkt in der jüngeren Geschichte der Komturei war die Ausrichtung der Investiturfeier 2024 der Deutschen Statthalterei.

Der Leitende Komtur, Cfr. Dr. Kurt Reiß, konnte zum Komtureijubiläum rund 50 Damen und Ritter mit Gästen begrüßen, unter anderem aus der Tochterkomturei St. Bonifatius Walldürn und der Komturei St. Ulrich und Afra in Augsburg. Ehrengäste waren der Deutsche Statthalter, S. E. Cfr. Dr. Michael Schnieders, und der Präsident der Ordensprovinz Südwestdeutschland, Cfr. Dr. Joachim Desprez. Die Feierlichkeiten begannen mit der Statio, die vom Prior der Komturei, Cfr. Ehrendomherr Dekan i. R. Karl Jung, mit dem Ordensgebet gehalten wurde.

Bei herrlichem Wetter und Sonnenschein stand ein festlicher Gottesdienst in der Klosterkirche im Mittelpunkt, der von Cfr. Karl Jung und Cfr. Monsignore Prof. Dr. Christoph Gregor Müller, dem langjährigen Geistlichen Zeremoniar der Statthalterei, zelebriert wurde. Für die exzellente musikalische Umrahmung sorgten Cfr. Markus Zepp an der Orgel, Daniel Wimmer an der Trompete sowie Cfr. Geistlicher Rat Pfarrer Dr. Joachim Dauer als Kantor. Die Lesung trug der Leitende Komtur der Tochterkomturei St. Bonifatius Walldürn, Cfr. Dr. Martin Seitz, vor; die Fürbitten wurden von Csr. Andrea Diem gelesen. In seiner Festpredigt setzte sich Cfr. Jung mit dem päpstlichen Ritterorden auseinander und stellte Bezüge zu aktuellen Herausforderungen unserer Zeit her. Außerdem erinnerte er an die Leitenden Komture und Priore der vergangenen siebzig Jahre.

(c) oessh.net / Cfr. Torsten Englert
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Nach dem feierlichen Gottesdienst folgte ein Festvortrag von Cfr. Müller aus Fulda mit dem Titel »Die Zahl 70 in der Bibel«. Cfr. Müller begann mit der grundlegenden Frage, ob Geburtstage und die damit verbundenen Jubiläen gefeiert werden sollten. In der frühen Kirche seien Stimmen hörbar gewesen, die darauf ein deutliches »Nein« zum Ausdruck gebracht hätten. Doch gebe es sicherlich auch Gegenargumente. In fünf Schritten nahm er die Damen und Ritter mit Gästen mit auf eine kleine Reise durch die Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testaments, die mit der Zahl »70« verbunden sind. Er erinnerte daran, dass insbesondere der heilige Bernhard von Clairvaux, der Patron der Jubiläumskomturei, zum Schöpfen aus den biblischen Quellen ermutige.

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70 Jahre – ein ganz normaler Geburtstag, so jedenfalls Psalm 90

In Psalm 90 werde die Zeit, wie vergängliche Menschen sie wahrnähmen, als »dahinfliegend« beschrieben. Mit 70 Jahren werde ein »normales« Menschenalter bezeichnet. Der Psalmist gebe den Menschen einen Rat, der Gott als Bitte vorgetragen werde: »Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz.« Laut Cfr. Müller sei dies Wunsch und Gebet für die Komturei und alle ihre Mitglieder: jeden Tag bewusst entgegenzunehmen und in Weisheit zu gestalten.

70 Völker in Genesis 10

Die Zahl 70 bezeichne als Produkt von 7 und 10 eine größere runde Zahl für eine Gesamtheit, eine Zahl, die Ganzheit und Fülle ausdrücke. Die Völkertafel von Genesis 10 gliedere die Menschheit wie eine große Familie und nenne 70 Völker. Alle Menschen, gleich welcher Hautfarbe, Sprache oder Nation, bildeten zusammen eine große Familie, wie dies auch im Ritterorden der Fall sei.

70 Älteste empfangen prophetischen Geist – Numeri 11,25

Die Gruppe der sogenannten »Ältesten« werde in manchen alttestamentlichen Texten mit 70 angegeben. In Numeri 11,16f gewännen 70 Älteste Anteil am Geist des Moses. Anteil zu haben an dem Geist, der von Gott gegeben sei, und dadurch prophetisch reden zu können, wäre ein besonders schönes Geschenk für die Festgemeinschaft. Gott gieße seinen Geist aus über Junge und Alte, Männer und Frauen; auch das kommende Pfingstfest wolle und solle an dieses Geschenk erinnern.

Die Septuaginta

Der Begriff »70« beziehungsweise »Septuaginta« werde für die wohl bekannteste Übersetzung der Heiligen Schriften Israels ins Griechische verwendet. Sie sei in Ägypten entstanden, in Alexandrien, wo es in der Antike einen erheblichen jüdischen Bevölkerungsanteil gegeben habe. Die Übersetzung der Heiligen Schriften des Judentums in die griechische Sprache sei eines der bedeutendsten Ereignisse der Religions- und Kulturgeschichte der Antike gewesen.

70 Jünger werden in Lukas 10,1–17 ausgesandt

Mit der Angabe der 70 in der Aussendungsrede Jesu in Lukas 10,1–17 seien als Zielgruppe der Jünger alle Völker benannt, um den Weg Jesu vorzubereiten sowie zu heilen und zu verkündigen. Damit werde laut Cfr. Müller auf besonders schöne Weise beschrieben, worauf es im Ritterorden ankomme: am Weg Jesu teilzunehmen, mit ihm und für ihn unterwegs zu sein, die Kranken und vom Leben Gezeichneten im Blick zu haben und dem Anbruch des Reiches Gottes dienen zu dürfen, woran auch das Ordensgebet erinnere.

Nach den fünf Stationen der kleinen Reise durch die Heilige Schrift gelangten die Damen und Ritter mit ihren Gästen wieder in Jerusalem an. Von dort aus sende der Herr auch die Festgemeinschaft »zu allen Völkern« – mit der zentralen Botschaft: »… dass Christus gelitten hat und auferstanden ist von den Toten … und dass in seinem Namen Umkehr zu verkünden ist«. Mit einem Zitat des Patrons der Komturei, Bernhard von Clairvaux, beendete Cfr. Müller seinen Festvortrag, für den er viel Beifall und Lob erhielt.

Nach den Dankesworten und der Übergabe eines Präsents an den Festredner überreichte Cfr. Seitz von der Tochterkomturei St. Bonifatius Walldürn eine Kerze als Geschenk. Der Hausherr, Konventualprior Pater Dr. Benedikt Pahl, sprach Grußworte und berichtete von seinen Erfahrungen in Jerusalem. Im Anschluss wurde mit einem Sektempfang, einem gemeinsamen Mittagessen sowie anschließendem Kaffee und Kuchen im Pfarrzentrum St. Teresa in Heidelberg-Ziegelhausen gefeiert. Hierzu konnte auch der leitende Pfarrer der Stadtkirche Heidelberg, Pfarrer Dr. Marius Fletschinger, begrüßt werden. Cfr. Hopfenzitz aus Ottobeuren von der Komturei St. Ulrich und Afra in Augsburg bereicherte die Festgemeinschaft mit zwei Gesangseinlage

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