Die Aachener Komturei St. Carolus Magnus feierte ihr 60-jähriges Bestehen gemeinsam mit dem Verein vom Heiligen Land im Rahmen eines Heilig-Land-Tages im Bistum Aachen.
Auf Einladung der leitenden Komturdame Csr. Beate Rambo trafen sich am Sonntag, den 27. September 2026, in der Komtureikirche St. Donatus in Aachen-Brand mehr als 65 Ritter und Damen sowie Angehörige zur Feier des 60-jährigen Bestehens der Komturei. Der Regionalvikar der Region Aachen-Stadt, Prior Cfr. Frank Hendriks, hielt die Festpredigt unter dem biblischen Leitwort „Seid einmütig, einträchtig, einander in Liebe verbunden.“
Einmütigkeit in der Liebe als Grundsatzprogramm
In seiner Predigt führte Cfr. Hendriks aus, dass 60 Jahre im Vergleich zu 222 Jahren Gemeinde St. Donatus und 1200 Jahren Kirchengeschichte in Aachen noch ein jugendliches Alter darstellen. Dennoch zeige sich gerade in der Feier des 60-jährigen Bestehens etwas Wesentliches: Der Glaube schenkt Heimat. Geistliche Gemeinschaft führt nicht zur Vereinzelung und Trennung, sondern zusammen. Einmütigkeit beschreibt dabei eine gemeinsame innere Gesinnung, Eintracht das verbindende Miteinander. Über beidem steht beim Apostel Paulus die Liebe. Einmütig zu denken könne, so Cfr. Hendriks, gerade nicht bedeuten, dass es nur eine einzige Lösung oder nur eine Stimme gebe. Vielmehr könnten unterschiedliche Stimmen und Wege dasselbe Grundsatzprogramm widerspiegeln: „die Liebe Gottes zu den Menschen“.
Grundsatzprogramm des Ritterordens
Die Sorge um die Christen im Heiligen Land bleibt ein wichtiger Bestandteil dieses Grundsatzprogramms. Die gemeinsame Idee der Christusnachfolge im Geiste der Liebe bildet dabei eine Idealvorstellung des Ordens. Der Apostel Paulus ist allerdings kein Demokratietheoretiker. Jesus hingegen zeigt im Umgang mit unterschiedlichen Berufungen mehr Gelassenheit. Mit Blick auf das Sonntagsevangelium von den zwei Söhnen, die der Vater zur Arbeit in den Weinberg schickt, führte Cfr. Hendriks aus, dass sich gerade derjenige als der Weisere erweist, der sich zunächst verweigert, dann aber seine Haltung überdenkt und schließlich im Weinberg des Herrn tätig wird. Die Messfeier wurde musikalisch von Franz Körfer, Valerie Schippers und George Warren gestaltet.
Vortrag zur Lage der Christen im Heiligen Land und in Gaza
Im Anschluss an den Festgottesdienst hielt Dr. Georg Röwekamp, ehemaliger Leiter des Tagungshauses in Tabgha und Vertreter des Heilig-Land-Vereins e. V., einen eindrucksvollen Festvortrag über die Gesamtsituation der Christen im Heiligen Land und insbesondere über die Lage der christlichen Gemeinde in Gaza. Dr. Röwekamp betonte, dass sich die Lebenswirklichkeit der Christen im Heiligen Land je nach Region und Herkunft deutlich unterscheide. Zugleich seien die christlichen Kirchen und Konfessionen derzeit untereinander geeinter und gesprächsbereiter als noch vor wenigen Jahren. Dr. Röwekamp unterschied drei Gruppen: die israelischen Christen mit israelischer Staatsangehörigkeit, die palästinensischen Christen, die die israelische Armee als Besatzung erfahren und im Alltag Einschränkungen durch den israelischen Staat erleben, sowie die wachsende Zahl von Christen, die als Gastarbeiter ins Land kommen und deren Frömmigkeitsformen von den ortsansässigen Christen teilweise als fremd empfunden werden. Dr. Röwekamp hob zudem die Hilfeleistungen und die Unterstützung des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem hervor. Er zeigte auf, wie bereits im vergangenen Jahrhundert die christliche Gemeinde in Gaza und ihre Schule aufblühten und dabei insbesondere von der Österreichischen Statthalterei gefördert wurden. Auch die Wiedereröffnung der katholischen Schule in Gaza verdeutlichte, welche Bedeutung christliches Leben und christliche Präsenz für das Heilige Land haben.
Im Anschluss kam die Festgemeinde zu einem gemeinsamen Mittagessen und zu anregenden und unterhaltsamen Gesprächen zusammen.
