Beitrag: Cfr. Dr. Martin Seitz

„Die Geschichte der äthiopisch-orthodoxen Kirche und ihr Zusammenwirken mit dem salomonisch-äthiopischen Kaiserhaus“: So lautete der Titel des Vortrags, den Seine Kaiserliche Hoheit Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate am Sonntag, dem 27. September 2026, in Walldürn hielt.

Zum gemeinsamen Conveniat der Komturei Franken der Familiarenballei Deutschland des Deutschen Ordens und der Walldürner Komturei St. Bonifatius des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem konnte der Leitende Komtur der Komturei St. Bonifatius insgesamt 52 Teilnehmer willkommen heißen. Neben dem Referenten begrüßte Cfr. Dr. Martin Seitz den amtierenden Deutschherrenmeister Thomas Jünger, den Alt-Deutschherrenmeister und Ehrenritter Senator e. h. Professor Dr. Dr. h. c. Dieter Salch, der den Kontakt zu Prinz Asfa-Wossen hergestellt hatte, den Komtur der Komturei Franken, Thomas Koch, sowie den Komturei-Kanzler Jörg Steinhoff und weitere Mitglieder des Deutschen Ordens. Grabesritter aus vier verschiedenen Komtureien sowie zahlreiche Gäste waren der Einladung nach Walldürn gefolgt. Als Mitglied des Provinzrates und Verbindungsritter zu den anderen Orden wurde Cfr. Wolfgang Feil besonders begrüßt.

Dem Vortrag ging die Feier der Heiligen Messe am eigens für dieses Ereignis geöffneten Blutaltar in der Walldürner Basilika voraus. Cfr. Pfr. Franz Lang, der gemeinsam mit Domkapitular em. Msgr. Dr. Matthias Türk, FamOT, die Messe zelebrierte, ging in seiner Predigt eingehend auf das Tagesevangelium ein.

(c) oessh.net / Cfr. Torsten Englert
(c) oessh.net / Cfr. Torsten Englert

Die Königin von Saba

Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate, ein Großneffe des letzten Kaisers von Äthiopien, Haile Selassie, und Urenkel von Kaiserin Menen, begann sein rund einstündiges Referat mit einem Rückblick auf die Wurzeln des äthiopischen Kaiserhauses.

Mehrfach ist im Alten Testament vom Besuch der Königin von Saba bei König Salomo die Rede. Der Legende nach gab sich Makeda, so der Name der Königin von Saba, in der letzten Nacht ihres Aufenthalts bei Salomo diesem infolge einer verlorenen, von Salomo durchaus listig angelegten Wette hin. Die Frucht dieser Begegnung wurde neun Monate später, noch auf Makedas Heimreise nach Äthiopien, geboren: Menelik.

Auf den von seinem Vater Salomo angebotenen Thron in Jerusalem verzichtete er zugunsten der Königswürde in Äthiopien. Als Menelik I. wurde er zum Stammvater des äthiopischen Kaiserhauses. Als er seinen Vater Salomo als junger Mann erneut aufsuchte, gab dieser ihm die edelsten Söhne seines Reiches als Begleiter mit auf den Weg nach Äthiopien. Diese bemächtigten sich der Legende nach der im Tempel aufbewahrten Bundeslade mit den Gesetzen des Mose und brachten sie nach Äthiopien, genauer gesagt nach Aksum, der einstigen Hauptstadt des Kaiserreiches.

Dort wird sie der Überlieferung zufolge noch heute aufbewahrt. Dass an dieser Erzählung durchaus ein Stück Wahrheit stecke, zeige, so der Referent, unter anderem der Umstand, dass der Staat Israel während des eritreisch-äthiopischen Bürgerkrieges 300 Soldaten entsandt habe, um Aksum und damit die Bundeslade zu schützen. Der alttestamentarische Einfluss und die enge Verbindung zum Judentum zeigen sich in Äthiopien bis heute in vielfältiger Form. Neben der Beschneidung und der Einhaltung ähnlicher Speisevorschriften wie im Judentum wird auch das Zionsfest bis heute gefeiert.

Weit zurückreichende Tradition

Das Christentum wurde in Äthiopien um das Jahr 330 n. Chr. durch König Ezana zur Staatsreligion. Damit gehört Äthiopien neben Armenien und Georgien zu den ältesten christlichen Ländern der Welt. Es war der heilige Frumentius, dem man den Namen Abba Salama – „Vater des Friedens“ – verlieh, der als Sklave an den äthiopischen Kaiserhof kam. Dort wurde er Schatzmeister und Hauslehrer des Kronprinzen. Als späterer Bischof von Aksum taufte er König Ezana.

Über Jahrhunderte hinweg war der koptische Patriarch von Alexandria Oberhaupt der äthiopischen Kirche. Die äthiopische Kirche ist eine orthodoxe Kirche, die 1957 selbstständig wurde und 1959 erstmals einen äthiopischen Patriarchen erhielt. Den christlichen Glauben in einer Weltgegend zu verteidigen, in der die Christen von muslimisch geprägten Ländern umgeben und insbesondere von den Osmanen bedroht waren, gelang teilweise nur mit Hilfe ausländischer Mächte, etwa der Portugiesen.

Ein verbindendes Element

Das Kaiserhaus und der christliche Glaube bildeten das einigende Band, das über Jahrhunderte hinweg rund 140 ethnischen Gruppen mit 40 verschiedenen Sprachen eine friedvolle Koexistenz ermöglichte. Trotz der schweren Prüfungen, die dem äthiopischen Volk im Laufe der Jahrhunderte und insbesondere während der Revolution von 1974 sowie in den anschließenden Jahren des Bürgerkrieges zwischen Äthiopien und Eritrea auferlegt wurden, hat sich ein lebendiger christlicher Glaube bis in unsere Zeit erhalten.

Prinz Asfa-Wossen zeigte sich auch in seinem Vortrag als Meister der deutschen Sprache, die er bereits als Jugendlicher durch ein österreichisches Kindermädchen im Elternhaus, später an der deutschen Schule in Addis Abeba und schließlich als Student in Tübingen erlernte und bis heute hervorragend beherrscht. Eindrucksvolle Anekdoten aus seinem bewegten Leben als Wanderer zwischen den Welten, als deutscher Äthiopier oder äthiopischer Deutscher, bereicherten seine Ausführungen, die mit viel Applaus bedacht wurden.

Kinder Gottes

Der Referent, S. K. H. Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate, wird als Mann des Dialogs und als Wanderer zwischen den Welten Afrikas und Europas beschrieben. Der Leitende Komtur verwies dabei auch auf seine Abstammung aus dem Hause Davids und seine damit verbundene besondere Beziehung zum christlichen Glauben. Darauf antwortete der Prinz mit den Worten: „Wir sind alle Kinder Gottes.“ Diese Antwort erfreute die Anwesenden und bildete zugleich einen besonders schönen Moment des gemeinsamen Treffens.

Nach einer regen Diskussion, der Überreichung eines Präsents und einem gemeinsamen Abendessen endete das gelungene Conveniat der Komturei Franken des Deutschen Ordens und der Komturei St. Bonifatius.

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