Vom Teufel im Detail und dem richtigen Zeitpunkt

Das Sprichwort: „der Teufel steckt im Detail“ will sagen, dass eine großartige Idee auch kompliziert und schwierig werden kann, wenn man sich mit den Details beschäftigt. Die Umsetzung einer Sache wird sogar unmöglich, wenn man sich in den Details verliert oder die Planung des Ganzen zu kurz oder gar falsch war. So sind es auch die Details in den Texten unseres ersten Sonntages der Fastenzeit, die uns die vor uns liegende Zeit der Vorbereitung auf Ostern erschließen oder verstellen können.

Das Wesentliche des Lebens

Jesus wird vom Geist in die Wüste geführt, um an seine Taufe im Jordan anzuknüpfen, um sich klar darüber zu werden, wie sein Weg mit Gott weitergehen soll. Es ist Gottes Geist, der ihn in eine Umgebung der Abgeschiedenheit hineinführt. Hier kann er zu sich kommen, hier kann er sich erkennen. Ein spiritueller Weg auch für uns, der abseits von allem Wirbel des Alltags, von materiellen Möglichkeiten und Überflüssigem, einlädt, bei allen Herausforderungen das Wesentliche des Lebens zu finden. Eigentlich etwas Schönes und Gutes.

Die Grundlage einer Versuchung

Doch bereits hier liegt oft schon die Grundlage einer Versuchung. Sich als unabhängig von allem und allen zu fühlen, kann eine Möglichkeit sein sich zu überheben. Zu erkennen, dass die Macht Gottes in mir steckt, mit allen ihren Möglichkeiten, hat bereits das erste Menschenpaar verführt. Ich brauche eigentlich niemanden, ich brauche keinen Gott, denn ich bin mir selbst genug.

Der Versuchung der materiellen Dinge

Genau hier erscheint der Versucher. Er mischt sich ein. Kommt dazwischen. Mitten im Hunger und Durst, mitten in der Sehnsucht. Jesus soll aus Steinen Brot machen. Wir könnten statt Brot auch Vermögen, oder alles andere einsetzen, was man besitzen, was man sich leisten kann. Wer das kann, hat Macht, die andere abhängig macht. Es ist wohl etwas zutiefst Menschliches, das der Versucher hier anspricht. Wir brauchen die materiellen Dinge. Wir brauchen sie zum Leben. Wir gebrauchen sie aber auch zur Selbstbestätigung oder gar zur Selbstdarstellung. So scheint es natürlich, dass wir danach greifen.

Die Werte des Menschlichen und Lebendigen sollen umgedeutet werden

Die Versuchung besteht darin, den materiellen Dingen alles andere unterzuordnen: das Oberflächliche als das Eigentliche, das Vergängliche als das Unvergängliche anzusehen. Die Steine der Macht zum Beispiel in den harten Worten einer schnellen E-Mail oder einem unachtsamen Gespräch, das rücksichtlose Tun zwischen Kolleginnen oder der den anderen übersehende Blick in Beziehungen. Diese Steine sollen zum lebensnotwendigen Brot werden. Die Werte des Menschlichen und Lebendigen sollen umgedeutet und auf den Kopf gestellt werden. Was Mittel auf dem Weg zu Gott und zueinander sein soll, wird zum Selbstzweck gemacht.

Jesus lehnt Machtmissbrauch zum eigenen Vorteil ab

Deshalb lehnt Jesus einen solchen Machtmissbrauch zum eigenen Vorteil ab: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, sondern von jedem Wort, das ihn mit anderen Menschen verbindet und das „aus Gottes Mund kommt“.

Der Mensch braucht wirkliches Brot, um leben zu können. Es braucht die Begegnung mit anderen, die Worte auf dem Weg und nicht nur die eigenen Stimmen im Kopf. Es braucht das Wort Gottes zur Sinndeutung des eigenen Lebens.

Es braucht den Impuls, wofür wir leben und welchen Weg wir gehen können. Diese materiellen und immateriellen Dinge lassen uns das große Ziel erreichen, unser Leben zu bestehen, miteinander glücklich zu werden und letztlich dies in Gott immer sein zu können.

Jesus lässt sich nicht auf die Probe stellen

„Stürz dich hinab.“ Ein weiterer Moment. Eine weitere Versuchung. Wie selbst überschätzt kann ich mich fühlen? Wo warten die wahren Möglichkeiten auf mich? Eine Show, ein halsbrecherischer Test widersprechen dem wirklichen Leben. Jesus lässt sich nicht auf die Probe stellen, denn er hat nach seiner Wüstenerfahrung bereits den mühsamen Weg seiner Verkündigung erkannt. „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“

Der Moment einer Entscheidung

Mit dem griechischen Wort Kairos für das rechte Maß oder eine gute Gelegenheit beschreibt philosophisches und theologisches Nachdenken den günstigen und richtigen Zeitpunkt. Oft ist damit der Moment einer Entscheidung gemeint, dessen ungenutztes Verstreichen nachteilig sein könnte. Im biblischen Kontext ist es der von Gott gegebene Zeitpunkt, eine besondere Chance und Gelegenheit, den Auftrag zu erfüllen.

Der Zeitraum der inneren Einkehr

Nicht zufällig steht daher auch unser Abschnitt aus dem Matthäusevangelium am Beginn der österlichen Bußzeit, die weniger eine Zeit äußerer Fastenvorschriften ist als vielmehr eine Zeit innerer Einkehr und Umkehr. So wie Jesus in dem Moment der Wüstenerfahrung und der Versuchung können auch wir von dieser Zeit angeregt werden, das eigene Leben zu überdenken und zu erneuern.

Im Evangelium werden wir mit hineingenommen in diesen Moment und Augenblick, in den geistigen Kampf Jesu mit den Mächten des Widersachers. Es ist der Zeitraum der inneren Einkehr und der neuen und bewussten Entscheidung zu einer wirklichen Nachfolge.

Die Gier nach Anerkennung kann zur Sucht werden

„Alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.“ Ein vorerst letzter Versuch. Ein genutzter Zeitpunkt, der nicht verloren gehen darf. Der Verführer setzt alles auf eine Karte und will nur ein kleines Zeichen einer Anerkennung.

Anerkennung scheint es zu sein, was der Mensch tatsächlich braucht. Und so wird viel Gewicht daraufgelegt. Auf Schein als auf Sein, auf den Politbühnen nah und fern, in den kleinen und großen Machtkampfarenen, im persönlichen Denken und Tun.

Anerkennung, die glaubt, ohne Gott auskommen zu müssen oder zu können wird zur Sucht und macht Opfer.

Die österliche Bußzeit als Chance viel Gutes zu bewirken

Die vierzig Tage auf Ostern hin geben uns die Möglichkeit, nicht große Worte zu machen und doch viel Gutes zu bewirken. Sich mit allen Kräften einzusetzen für die Gerechtigkeit und den Frieden im Heiligen Land und den vielen Schlachtfeldern dieser Welt, kann überfordern, und doch erkennen wir dabei einander, in der rechten Absicht, zum richtigen Zeitpunkt, als Damen und Ritter, als Schwestern und Brüder. Unser Erkennen in dieser Zeit wird zur Anerkennung Gottes und unseres Lebens. Ein Gottes-dienst an uns. Im Kleinen und im Großen unserer Komtureien, Pfarreien, Gemeinden und Familien.

Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils

Aus dieser Erkenntnis kann Jesus antworten. Weg mit dir Lebensfeindlichkeit! Aus diesem Vertrauen kann kein Reich des Todes entstehen, sondern nur ein Reich des Lebens.

„Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils“, heißt es daher im Korintherbrief. Dieser Sonntag mit seinen Texten ist eine erneute Einladung, uns wieder auf den Weg zu machen und nach den Details und den richtigen Zeitpunkten in unserem Leben und Glauben zu suchen und sie zu finden.

Cfr. Matthias Goy ist Prior der Komturei St. Pius X. Berlin

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