Gottes Geist wirkt!

Wünsche zum Pfingstfest

Bischof Johann Michael Sailer von Regensburg (1751 -1832) hat in einem Gebetbüchlein einmal geschrieben:

„Ich habe heute am Pfingstfest drei Wünsche für Dich und die Deinen:
Erstens wünsche ich Dir den Hl. Geist!
Zweitens wünsche ich Dir den Hl. Geist!
Und drittens wünsche ich Dir den Hl. Geist!
Verzeih‘ ich sprach von drei Wünschen und fand doch nur einen für Dich! Ich denke, wenn Christus
nichts Besseres geben konnte als seinen Geist, so kann auch der Christ nichts Besseres wünschen als
eben diesen Hl. Geist.“

Bischof Sailer spricht mit Hochachtung vom Hl. Geist! Ich habe den Eindruck, dass der Hl. Geist in der Verkündigung heute eher klein und fast nebensächlich vorkommt.

Wir bekennen: Gott Vater, der Schöpfer der Welt, der Ursprung von allem!

Wir feiern: Jesus Christus, der Sohn Gottes, der Erlöser der Menschen. Seine Menschwerdung, sein Leben, sein Sterben und seine Auferstehung feiern wir Jahr für Jahr.

Und Gott, der Hl. Geist?

Der Geist Gottes wirkt

Vielleicht ist weniger wichtig, wer der Hl. Geist ist, sondern was er bewirkt. Eine der für mich wichtigsten Wirkarten des Hl. Geistes, die ich gerade für unsere Zeit für notwendig empfinde, ist: Der Hl. Geist ist es, der eint!

In der biblischen Geschichte des Turmbaus zu Babel lesen wir: Alle Menschen hatten die gleiche Sprache. Dann aber verstiegen sie sich in ihrem Hochmut. Und der Herr verwirrte ihre Sprache, sodass keiner mehr den andern verstand. Darum nannte man die Stadt Babel, d.h. Wirrsal.

Diese recht eigenartige Erzählung, die zu erklären versucht, warum Menschen sich untereinander nicht verstehen, warum Zerrissenheit, Uneinigkeit, Streit und Unfriede unter den Menschen herrschen, ist eine Art Gegenstück zum Pfingstbericht der Apostelgeschichte.

­Die Erzählung vom Turmbau zu Babel weist darauf hin, was immer und immer wieder erfahrbar war: Wenn der Mensch sich selbst zum Maß aller Dinge macht, wenn der Mensch in seiner Überheblichkeit keine Grenzen mehr anerkennt, wenn der Mensch Gott entthront und sich selbst an die Stelle Gottes setzt, dann scheitert er.

„Babel“ ist aktuell. Wir erleben: Politiker reisen und tagen – und reden so oft aneinander vorbei. Menschliches Leben soll lebenswert sein – aber der Wert des Lebens wird weniger geachtet. Kommunikationsmöglichkeiten gibt es viele – aber viele reden nicht miteinander, sondern mehr übereinander. Wir sprechen in vielen Sprachen – die Sprache des Friedens ist oft verstummt …in der Politik, in der Wirtschaft, in der Gesellschaft und auch in unserer Kirche.

Gott ergreift die Initiative

­Dieser Uneinigkeit, dieser Zerrissenheit aber ist etwas entgegen­gesetzt – nicht von Menschen, sondern von Gott selbst – durch die Sendung des Heiligen Geist.

In der Kraft des Heiligen Geistes verstehen wir, auch wenn wir in unterschiedlichen Sprachen denken, die eine Botschaft von der Nähe des Reiches Gottes.

Die Apostelgeschichte erzählt davon: Menschen kommen aus unterschiedlichen Ländern, empfangen aber alle den einen und einenden Geist. Sie können es kaum begreifen – aber sie verkünden den einen Glauben an den Auferstandenen.

Das ist für mich eine der wichtigsten Wirkweisen des Geistes Gottes: Der Anfang eines neuen Verstehens der Menschen untereinander, der Anfang eines neuen Gottesvolkes, der Anfang einer neuen Einigkeit.

Am Pfingstfest feiern wir das Wirken des Heiligen Geistes:
dass er es ist, der eint,
dass er es ist, der zusammenhält,
dass er es ist, der leben lässt,
dass er es ist, der einen Neuanfang möglich macht!

Text: Confrater Reinhold Seidl, Prior der Komturei Caritas Pirckheimer in Nürnberg

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