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Im Mittelpunkt des Komtureitreffens der Komturei St. Bonifatius Walldürn am 20. Juli stand ein Vortrag über Romano Guardini. Er gilt als einer der bedeutendsten katholischen Religionsphilosophen und Theologen des 20. Jahrhunderts. 2017 wurde für ihn ein Seligsprechungsprozess eingeleitet.

Zu Beginn fand am geöffneten Schrein des Blutaltars in der Walldürner Wallfahrtsbasilika St. Georg eine Heilige Messe statt, die vom Prior der Komturei, Cfr. Franz Lang, zelebriert wurde. Seine Predigt stand im Zeichen der Ordensregeln des Hl. Benedikt »Ora et labora et lege«.

Zum Vortrag von Professor em., Dr. phil. habil., Dr. theol. h.c. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz mit dem Titel »Die Unbegreiflichkeit Gottes trifft das Herz.« Zur Theologie des Herzens bei Romano Guardini konnte der Lt. Komtur, Dr. Martin Seitz, über 30 Damen und Ritter aus den Komtureien St. Kilian Würzburg, St. Maximilian Düsseldorf und der Heimatkomturei, St. Bonifatius Walldürn sowie weitere Gäste begrüßen.

Zur Person Romano Guardinis

Die Referentin bedankte sich zunächst für die Einladung und die Teilnahme an der heiligen Messe vor dem extra geöffneten Blutaltar. Bereits sehr früh hat sie sich mit Romano Guardini befasst und eine Biographie veröffentlicht.  Kurz ging sie auf die biographischen Daten ein. Geboren wurde Guardini am 17. Februar 1885 in Verona und bereits ein Jahr später ging die Familie nach Mainz, wo er als ältester von insgesamt vier Brüdern aufwuchs. Nach seinem Abitur studierte er zunächst etwas anderes, wechselte dann aber zur Theologie. Laut Frau Professor Gerl-Falkovitz war er einer der wenigen Theologen, der sich mit der Theologie des Herzens befasst hat. Er stammte aus einem wohlhabenden Haus, war selbst sehr gebildet und im persönlichen Bereich – in einem franziskanischen Sinne – eher anspruchslos.  Von einer hohen Werteordnung geprägt, unterstützte er aus eigenem Vermögen Studenten, denen es bei fehlenden Stipendien nicht gut ging. Romano Guardini war, obwohl gebürtiger Italiener, von Deutschland geprägt und hat fast nur Deutsch veröffentlicht. Auch während des Zweiten Weltkrieges blieb er in Deutschland, stand aber unter der besonderen Beobachtung der Gestapo.

Der christliche Wertekanon und speziell Christi Sichtweise auf die Welt, waren ihm wichtig.

Die Treue und das Festhalten am Glauben waren bei Guardini stark ausgeprägt. Damit hat er eine starke Prägung auf die deutsche Jugend ausgeübt, auch und gerade während der Zeit des Nationalsozialismus.

Viele seiner Gedanken hielten später Einzug ins Grundgesetz und vor allem bei Politikern, vorwiegend der CDU, in der neu gegründeten Bundesrepublik.  Guardini hat nachweislich auch die beiden letzten Päpste, Benedikt XVI. und Franziskus, in ihrem Denken und Schreiben beeinflusst.

Romano Guardini ist am 1. Oktober 1968 in München verstorben und wurde unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit dort auch beigesetzt.

Herz ist Geist in der Nähe des Blutes

Mit einem Zitat von Romano Guardini, das während seiner Zeit auf Burg Rothenfels entstand, begann Frau Professor Gerl-Falkovitz den eigentlichen Teil ihres Vortrages:

»Herz ist Geist in der Nähe des Blutes«

 Guardini hat eine besondere Annäherung an den Herrn vollzogen, die mit dem Herzen zu tun hat. Das Herz ist das Organ, mit dem der Mensch auf die Anrufe Gottes antwortet, und zwar vor allem auf die unverstandenen, die erschütternden, die auch erst einmal alles außer Kraft setzen können. Für Romano Guardini ist das Herz der Ort der Kämpfe.

Der Mensch ist ein Geheimnis, das Herz ist die Zentrale. So ist das Geheimnis selbst aber kein Rätsel, was sich allein schon daran zeigt, dass Rätsel gelöst werden müssen. Das Geheimnis ist mehr, das Geheimnis Gottes trifft das Herz.

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Jakobs Kampf (Gen 32)

Danach ging die Referentin auf den Jakobs Kampf im Buch Genesis mit der Interpretation Guardinis ein. Der Kampf ist nicht gewinnorientiert. Vielmehr geht es um den Kampf des Lebens, bei dem der Sieg nicht einfach ist. Wie die biblische Erzählung von Jakobs Kampf zeigt, kann, wer siegt, »hinken«. Aber kann man mit Gott kämpfen? Laut Guardini ja; die Liebe will es, dass man mit ihm kämpft. Gott will, dass man mit ihm kämpft und dass der Mensch ihn bezwingt, denn der »Mensch soll wollen wollen und nicht müssen müssen«. Gott zeigt sich bezwingbar und einfach wegzulaufen, geht nicht. Gottes Macht kommt nicht geschwind. Sie muss verdient werden. Die letzte Entscheidung wird dem Menschen nicht abgenommen.

Wann treffe ich auf Gott?

Bei Guardini haben wir immer mit göttlichen Widerständen zu tun. Ihr Gewinn ist bei Guardini der Aufruf zur Mitarbeit, die noch ansteht. Der Auftrag zum Mitmachen ist Auftrag damit etwas werde. Der Gewinn ist ein Blickaustausch mit Gott, ein Sich – ansehen – Lassen von Gott. Diesen Blick Christi hat Guardini in vielen Situationen gespürt. Oft, wenn der Blickwinkel sich ändert, merkt man das.

„Herz ist Blut in der Nähe des Geistes“: Blut steht für die eigene Grundausstattung des Menschen, es gibt Instinktsicherheit. Das Pneuma, der Atem Gottes oder auch der Heilige Geist geben einem die Klarheit, die Kante bzw. den Weg vor.

Im Herzen selbst bebt und wirkt der Kampf noch nach.

Das Herz ist die Stelle, wo letztendlich Entscheidungen getroffen werden; es ist auch die Stelle des Vertrauens auf Christus. Im Herzen ist laut Guardini alles zusammengefasst; somit ist das menschliche Herz der Austragungsort aller Spannungen.

Was ist Gottes Herz?

Die Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz beendete ihren Vortrag mit einem Zitat Romano Guardinis und der Frage:

»Was ist Gottes Herz? Das göttliche Herz ist an der Welt zerbrochen, es wurde von einer Lanze durchstoßen, es blutete aus. Die Narbe ist heute noch sichtbar, …  die Herzwunde ist der Ernst von Gottes Liebe. … Gott ist größer als unser Herz.«

Im Anschluss folgte eine ausgiebige Diskussion. Der Vortrag von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz wurde mit ihrer Genehmigung auf Video aufgenommen und kann von Ordensmitgliedern, die nicht zum Vortrag kommen konnten, noch angesehen werden.

Den dazu erforderlichen Link fordern Sie bitte beim Lt. Komtur, Cfr. Dr. Martin Seitz, an.

Am Ende bedankte sich der Lt. Komtur, Cfr. Dr. Martin Seitz, bei der Referentin für den fulminanten Vortrag mit einem Blumenstrauß und einem Abschiedsgeschenk.

(c) oessh.net / Lt. Komtur, Cfr. Dr. Martin Seitz,
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