Impuls: Csr. Beatrix BĂĽschges-Seraphin

„Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift eröffnete?“ Dieser zutiefst menschliche und emotionale Vers aus dem „Emmausgang“ (Lk 24, 32) , ausgesprochen von den beiden Jüngern genau in dem Moment, als ihre Augen nicht mehr gehalten waren, sondern aufgetan wurden, kommt einem in den Sinn, wenn man die vielfältigen Vorbereitungen und das prägnante Motto der diesjährigen Herbstinvestitur in Koblenz betrachtet: „Zusammenkommen, um zu hören!“

Diese AnkĂĽndigung wie Aufforderung impliziert viele Aspekte unserer Gemeinschaft:

Hören, um aufmerksam zuzuhören, nicht hören, um zu antworten, – schnell, kurz, pointiert, wie die Medienchats es verlangen. Zuhören können und nicht unbedacht und in Vorausschau auf das Ende des Satzes oder die mutmaĂźliche Meinung des Gesprächspartners diesem ins Wort fallend selbst das Wort ergreifen, sondern die ganze Konzentration in das Hören legen, – eben nicht in das Antworten, – das ist die Kunst und auch hierin liegt ein Zeichen der Wertschätzung meines Nächsten.

Hören, um die Stille zu hören und in der Stille Gottes Wort wahrzunehmen. In den „10 Geboten der Gelassenheit – Nur für heute“ von Papst Johannes XXIII., dessen Gedenk- und Namenstag genau auf den Sonntag des Investiturwochenendes fällt, heißt es im 5. Gebot: „Nur für heute werde ich 10 Minuten meiner Zeit der Stille widmen und Gott zuhören. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, so ist das Horchen auf Gott in der Stille notwendig für das Leben der Seele.“ Johannes XXIII. wollte die Kirche öffnen, damit sie besser auf die Nöte der Menschen hören könne, und die Menschen die Stimmen der Verantwortlichen der Kirchen wieder hören.

Leise sein, in die Stille und die Stille hören, so zur Ruhe zu kommen und die Ruhe in Körper, Seele und Geist einziehen zu lassen, ist eine „Stille-Übung“ in der Pädagogik von Maria Montessori. Sie kann Kindern im Spiel helfen, ihre Sinne zu schärfen, auch auf Flüstertöne zu hören, Impulse zu kontrollieren, sich ganz auf sich selbst oder seine Aufgabe zu konzentrieren. Wenn Gedanken ruhig fließen dürfen, können im Sprecher und im Gegenüber neue Ideen entstehen, Quellen sprudeln, Ströme zueinanderfinden, Lebensknoten entwirrt werden.

Auch diese Momente der Stille im Gebet und des Gesprächs mit dem Heiligen Geist sind Teil des Zusammentreffens unserer Ordensgeschwister und der neuen Kandidatinnen und Kandidaten mit ihren Familien und Gästen anlässlich der Investitur.

Zusammenkommen, um aufeinander zuzugehen und gemeinsam Gottes Wort zu hören, Impulse zum Glauben neu zu erfahren, neue, unbekannte Stellen der Frohen Botschaft aufzunehmen und zu verstehen, sich zu öffnen für die Sorgen und Nöte der Menschen unserer Tage in unserer Heimat und den wachsenden Krisen- und Kriegsgebieten in der Welt, vor allem der Christen im Heiligen Land.

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