Das Fest MariƤ Aufnahme in den Himmel, volkstümlich MariƤ Himmelfahrt, war insbesondere in der Ostkirche ein Feiertag. Weitere Bezeichnungen sind GroĆer Frauentag, Maria Würzweih oder Büschelfrauentag. Seit dem 7. Jahrhundert wurde es auch in der Westkirche am 15. August als Festtag übernommen. Dieses ursprünglich allgemeiner gehaltene Marienfest geht auf den āTag der Gottesmutter Mariaā zurück, der seit Mitte des 5. Jahrhunderts in einem Lektionar aus Jerusalem bezeugt ist. Die Prozession um die Kirche oder durch die Natur ist seit Papst Sergius I. (687ā701) überliefert. Seit Papst Hadrian I. (772ā795) ist die Festbezeichnung āAufnahme der heiligen Mariaā üblich. Der Glaube an die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel wurde erst 1950 von Papst Pius XII. zum Dogma erhoben. Die groĆe Zahl marianischer Feste ist Ausdruck der dankbaren HochschƤtzung, welche die Kirche Maria entgegenbringt ā so auch beim Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem, für den Maria als Kƶnigin von PalƤstina Patronin ist.

Gottesdienst in St. Marien
Die Komturei Sel. Bernhard von Baden, Baden-Baden, feierte MariƤ Himmelfahrt in diesem Jahr in der ehemaligen Reichsstadt Gengenbach im vorderen Kinzigtal. Die Tradition, die vielerorts noch gepflegt wird, einen bunten KrƤuterstrauĆ ā den sogenannten āWürzbüschelā oder āWürzbordeā ā aus gesammelten HeilkrƤutern zu binden, wird in Gengenbach ebenfalls gepflegt. Allerdings ist Gengenbach dafür bekannt, dass hier besonders prƤchtige āKritterbuschelā geweiht und anschlieĆend auf dem Marktplatz prƤmiert werden.

Zelebrant des Gottesdienstes in der Stadtkirche St. Marien war Pfarrer Erwin Schmidt. Zu Beginn der Heiligen Messe begrüĆte der Leitende Komtur, Cfr. Prof. Dr. Georg Gahn, über zwanzig Damen und Ritter aus den Komtureien St. Bernhard von Clairvaux Mannheim/Heidelberg, St. Bonifatius Walldürn sowie aus der Heimatkomturei Sel. Bernhard von Baden, Baden-Baden. Den Gottesdienstbesuchern stellte er kurz die Geschichte und die Ziele des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem vor.
Jesus ā Aufwiegler, Provokateur, Brandstifter
Die Predigt von Pfarrer Schmidt stand unter dem Aspekt āJesus ā Aufwiegler, Provokateur, Brandstifterā. Wie der Ortsgeistliche ausführte, gibt es in vielen Regionen unserer Erde gerade im Sommer immer wieder groĆflƤchige BrƤnde, die weite Landstriche zerstƶren. Erschreckend und furchterregend sind die Bilder, die dann um die Welt gehen ā aktuell etwa aus Teilen Spaniens. Vor diesem Hintergrund wirkt es fast verstƶrend, wenn im Evangelium Jesus gewissermaĆen als āBrandstifterā vor Augen geführt wird. Andere Bilder und Vorstellungen von Jesus sind uns vertrauter und berühren unsere Herzen mehr: Jesus, der gute Hirte, der Heiland der Kranken, der Erlƶser, der Freund der Kinder.

āAber Jesus als Aufwiegler, als Provokateur, gar als Brandstifter ā das ist uns weniger vertraut, das führt eher zum Nachdenkenā, so Pfarrer Schmidt. Dennoch enthalte Jesu Botschaft an vielen Stellen aufrüttelnde, mahnende, provozierende Worte. Er schloss seine Predigt mit der Bitte, dass wir ā wie Maria ā nie aufhƶren, danach zu fragen, was Jesus wirklich wichtig ist; dass wir uns nie einfach zurücklehnen und āden lieben Gott einen guten Mann sein lassenā, ohne uns hinterfragen zu lassen und ohne uns immer wieder Rechenschaft über unser Leben und unseren Glauben zu geben. Zudem bat er darum, dass wir uns als begeisterungsfƤhige Menschen erweisen, auf die das Feuer Jesu und der Funke der Begeisterung heute überspringen.
Begegnung auf dem Platz vor der Kirche
Nach der Predigt fand die Segnung der KrƤuterbüschel der Komturei Sel. Bernhard von Baden, Baden-Baden, statt. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es auf dem Vorplatz der Stadtkirche einen Umtrunk mit Begegnung und vertiefenden GesprƤchen. Die Damen und Ritter sowie ihre GƤste trafen sich anschlieĆend zu einem gemeinsamen Mittagessen und lieĆen bei kulinarischen Kƶstlichkeiten und weiteren GesprƤchen den Tag in gemütlicher Runde ausklingen.
