Nürnberger Komturei Caritas Pirckheimer besteht seit 50 Jahren – Festakt verbindet Rückblick mit Hilfe für die Menschen im Heiligen Land
Nürnberg – Die Nürnberger Komturei Caritas Pirckheimer des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem hat ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Rund 70 Gäste kamen am 4. Juli zu einem Festakt und einem Gottesdienst in der Kirchenburganlage der evangelisch-lutherischen Gemeinde St. Georg Kraftshof zusammen. Anwesend waren unter anderem der Bayerische Innenminister Cfr. Joachim Herrmann sowie Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König. Zu den Gästen aus dem Ritterorden gehörten zudem der Leitende Komtur der Regensburger Komturei St. Wolfgang, Cfr. Prof. Dr. Michael Tassilo Pawlik, die Leitende Komturdame der Eichstätter Komturei St. Willibald, Csr. Gertraud Ehrlich, sowie die Leitende Komturdame der Bamberger Komturei St. Heinrich und Kunigunde, Csr. Dr. Ursula Kleinecke. Ein gemeinsames Abendessen beschloss den Jubiläumstag.

„Fides“ als Leitgedanke des Jubiläums
Der Leitende Komtur Dr. Christian Möllenhoff stellte seine Ansprache unter den Leitgedanken der „Fides“. Das lateinische Wort stehe nicht nur für den Glauben, sondern zugleich für Treue, Vertrauen und Verlässlichkeit. Anknüpfend an das über der Kirche stehende Wort „Ein feste Burg ist unser Gott“ erinnerte Möllenhoff daran, dass Menschen ein tragfähiges Fundament benötigten. Der christliche Glaube gründe dabei nicht allein in der eigenen Kraft, sondern zunächst in dem Vertrauen, das Gott den Menschen entgegenbringe. Die Geschichte der Komturei sei deshalb auch eine Geschichte des Vertrauens, das ihre Mitglieder einander über fünf Jahrzehnte hinweg geschenkt hätten.

Caritas Pirckheimer als Vorbild
Im Festakt richtete sich der Blick zunächst auf die Namenspatronin der Komturei. Cfr. Dr. Siegfried Grillmeyer, Direktor des Caritas-Pirckheimer-Hauses, erinnerte in seinem Vortrag an das Leben und Wirken der Nürnberger Klarissenäbtissin. Caritas Pirckheimer habe während der Umbrüche der Reformationszeit geistliche Standhaftigkeit mit humanistischer Bildung und innerer Freiheit verbunden. Sie verteidigte ihre Klostergemeinschaft und ihren Glauben mit Entschiedenheit, ohne den Respekt vor Andersdenkenden zu verlieren. Damit stehe sie bis heute für Glaubenstreue, Gewissensstärke und Dialogbereitschaft. Davon zeuge auch ihr geistiger Austausch mit Philipp Melanchthon, dessen vermittelndes Eingreifen gegenüber dem Nürnberger Rat entscheidend dazu beitrug, ein gewaltsames Vorgehen gegen das Klarissenkloster abzuwenden und den Fortbestand des Konvents zu ermöglichen.

Konkrete Hilfe für Menschen im Heiligen Land
Der Rückblick auf die Geschichte war zugleich mit dem gegenwärtigen Auftrag des Ritterordens verbunden. Die Komturei nahm das Jubiläum zum Anlass, für ein Hilfsprojekt des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem zu sammeln. Die Unterstützung soll Menschen im Heiligen Land zugutekommen, denen es infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen an medizinischer Versorgung, Unterkunft, Nahrung oder Wasser fehlt. Christlicher Glaube dürfe nicht bei Worten stehen bleiben, betonte Csr. Cornelia Kimberger, Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission. Richtig verstandene „Fides“ sei nicht nur Überzeugung, sondern auch Verpflichtung zum konkreten Handeln.

Geistliche Gemeinschaft mit einem Auftrag
Diesen Gedanken griff der Prior der Komturei, Pfarrer Reinhold Seidl, in seiner Predigt auf. Die vergangenen 50 Jahre stünden für einen geistlichen Weg und für gelebte Verantwortung, Verbundenheit mit der Kirche von Jerusalem und Solidarität mit den dort lebenden Christen. Der Ritterorden sei „kein Verein, keine Folklore“, sondern eine geistliche Gemeinschaft mit einem aus dem Glauben erwachsenden Auftrag. Glaube bedeute dabei keinen Rückzug ins Private, sondern einen Aufbruch zu den Menschen und das Festhalten an der Hoffnung auf Frieden – auch dort, wo diese angesichts von Krieg und Gewalt brüchig geworden sei.
Neben dem Glauben nannte Seidl die Gemeinschaft und die tätige Nächstenliebe als Grundlagen des Ordenslebens. Die Mitglieder stünden füreinander ein, beteten miteinander und trügen gemeinsam Verantwortung. Zugleich reiche diese Verbundenheit weit über Nürnberg hinaus. Im Heiligen Land gelte es, den einzelnen Menschen und nicht die jeweilige Konfliktlinie oder Ideologie in den Blick zu nehmen. Die Unterstützung von Schulen und Familien sowie die Förderung von Bildung und Begegnung seien konkrete Beiträge zur Hoffnung auf Versöhnung und Frieden.

Verantwortung für die Zukunft
Mit Blick auf die kommenden Jahre mahnte Seidl, die Zukunft des Ordens werde nicht allein durch seine Traditionen gesichert. Sie liege vielmehr bei Menschen, die bereit seien, ihren Glauben mutig zu leben, Gemeinschaft zu gestalten und Nächstenliebe sichtbar werden zu lassen. Die Christen im Heiligen Land sehnten sich nach Frieden und benötigten angesichts der anhaltend schwierigen Lage weiterhin Hilfe, Ausdauer und Gebet.
Aus der Bamberger Komturei hervorgegangen
Die Nürnberger Komturei ging vor 50 Jahren aus der Bamberger Komturei St. Heinrich und Kunigunde hervor. Heute gehören ihr gut 80 Damen und Ritter aus dem Großraum Nürnberg und der umliegenden Region an. Neben dem gemeinsamen geistlichen Leben bildet die Unterstützung der Christen sowie kirchlicher, sozialer und karitativer Einrichtungen im Heiligen Land den Mittelpunkt ihres Wirkens.


