Vom 5. Mai bis 7. Mai richtete die Komturei Heilige Drei Könige Köln die Frühjahrsvestitur der Deutschen Statthalterei aus. Mitglieder und Gäste aus vielen Ländern fanden den Weg zur Jubiläumsinvestitur. 90 Jahre Deutsche Statthalterei – ein besonderes Ereignis. Das Motto der Investitur lautete „Ich sah die Heilige Stadt, das neue Jerusalem“.

Über 700 Mitglieder und Gäste begleiteten die 14 Kandidatinnen und Kandidaten im Gebet bei ihrer feierlichen Aufnahme in den Kreis der Damen und Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem in Köln.

Zuallererst gilt es, der Komturei zu danken: Eine Investiturvorbereitung ist intensiv, umfangreich und belastet auch eine große Komturei stark. Gerade in der letzten Phase vor dem Ereignis kommt es nochmal zu zahlreichen Änderungen, die allen Beteiligten viel Geduld und Motivation abfordern. Hierfür gilt es, ein großes Dankeschön an alle Beteiligten auszusprechen. Die Leitende Komturdame Csr. Dr. Susanne Wierzimok und der Investiturbeauftragte Cfr. Michael Wierzimok sowie der Prior Cfr. Domkapitular Guido Zimmermann führten und motivierten das Team mit vielen Helfern unermüdlich und stellten so die unvergesslichen drei Tage sicher. So wurde es ein Fest im Zeichen des gemeinsamen Glaubens und freundschaftlicher Begegnung.

Kandidatenempfang

Zum Auftakt der Investiturtage waren die Kandidatinnen und Kandidaten, mit ihren Angehörigen zum Kandidatenempfang in das Maternushaus geladen.

S.E. Statthalter Cfr. Dr. Michael Schnieders führte an, dass wir gemeinsam und bewusst in diese Tage der Investiturfeierlichkeiten einsteigen. „Wir erleben und teilen die Sorge um das Heilige Land und beten hierfür“. Ebenso gab S.E. Statthalter Cfr. Dr. Michael Schnieders den Kandidatinnen und Kandidaten mit auf ihren Weg „Ich wünsche mir, dass wir eine Gemeinschaft sind, die bundesweit unterwegs ist und eine geistliche Heimat und lebendige Gemeinschaft für Sie ist.“ „Die Beteiligung eines jeden Einzelnen ist wichtig.“ so der Statthalter.

In Jerusalem nahm alles seinen Anfang am Heiligen Grab

Die Mitglieder trafen sich zum liturgischen Auftakt, der Vesper, in der Kirche St. Maria im Kapitol. Offiziator der Vigil war Cfr. Generalvikar und Domprobst Cfr. Msgr. Guido Assmann. Er erinnerte daran, dass am Tag der Investitur auch König Charles III. zum König des Vereinigten Königreiches von England gekrönt wird. „Woher kommt das Interesse? Uniform, Spektakel? Es hat tiefere Gründe, denn es handelt sich um einen liturgischen Akt, der in die Heilige Messe eingebettet ist.“ Den Bogen zur Investitur spannte der Offiziator mit den Worten „Im Rahmen der Krönungsmesse kommt es zu einem intensiven und intimen Moment. … der Erzbischof von Canterbury ermahnt, dass König Charles III. zu etwas Höherem verpflichtet ist und für seine Untertanen zu sorgen hat.“ Dies kann auch auf die Kandidatinnen und Kandidaten übertragen werden, die zukünftig für die Christen im Heiligen Land Sorge zu tragen haben.

In seiner Homilie erzählte Cfr. Msgr. Assmann die Geschichte des kleinen Jungen Hermann Josef, welcher oft in diese Kirche kam. „An einem Ort in dieser Kirche hat es ihm besonders gefallen. Dem Bildnis der Mutter Gottes. Die Legende besagt, dass Hermann Josef der Mutter Gottes einen Apfel reichte und das Jesus Kind ihn nahm. Hermann Josef hat das Wenige, was er hatte, gegeben.“ So sollen auch wir uns ein Beispiel nehmen „Hermann Josef hat einen Apfel gebracht, etwas Kleines, aber in der Absicht, etwas Gutes tun zu wollen. Lasst uns in diesen Tagen nicht bemessen, wie hoch wir spenden, sondern ob die Spende von Herzen kommt.“

Der Begrüßungsabend

Der Begrüßungsabend wurde durch eine Ansprache der Leitenden Komturdame Csr. Dr. Susanne Wierzimok eröffnet. In dieser dankte sie den Mitgliedern ihrer Komturei und begrüßte herzlich die Ehrengäste der Statthalterei. S.Em. Cfr. Großprior Reinhard Kardinal Marx begrüßte zu Beginn ebenso die Anwesenden, sprach seinen Dank aus und eröffnete das Begrüßungsbuffet mit einem Tischgebet.

St. Andreas – Die Ordenskirche der Deutschen Statthalterei

Den Abschluss des Auftakttages bildete die Vigil. Die geistliche Einstimmung ist ein zentrales Element in der Vorbereitung der Kandidatinnen und Kandidaten.

Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph Müller eröffnete die Vesper mit den Worten „Seit 1933 kommen wir in der Deutschen Statthalterei hier in unserer Ordenskirche St. Andreas zusammen, um zu beten.“ Die geistliche Einstimmung, vorbereitet vom erkrankungsbedingt abwesenden Geistlichen Zeremoniar der Statthalterei, Cfr. Msgr. Prof. Dr. Winfried Haunerland, war in drei Teile gegliedert.

Der erste Teil befasste sich mit dem heiligen Albert dem Großen und der Zahl 14. „Die Zahl 14 ist besonders, denn wir haben 14 Kandidatinnen und Kandidaten. Auch der Stern von Betlehem hat 14 Strahlen.“. In Bezug auf Albert den Großen führte Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph Müller aus: „Glaube und Wissenschaft sind kein Widerspruch. Die Mitgliedschaft im Ritterorden heißt, den Glauben nicht nur annehmen, sondern auch in der Welt ins Gespräch bringen.“

Der zweite Teil befasste sich mit dem heiligen Apostel Andreas. „Wir Menschen brauchen Menschen, die uns zu Jesus führen, aber genauso können wir auch Menschen zu Jesus führen.“ Das ist eine zentrale Aussage des Apostel Andreas, so Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph Müller.

Der dritte Teil befasste sich dem unumstößlichen Glauben der heiligen Makkabäer. „Die Makkabäische Familie stirbt lieber, als den Glauben aufzugeben. Das heißt auch Konsequenzen tragen, auch negative. Als Gemeinschaft können wir entschieden eintreten für die Menschen…“, führte Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph Müller aus.

90 Jahre Deutsche Statthalterei

Der Tag der Investitur begann mit dem Festkapitel. So begrüßte S.E. Statthalter Cfr. Dr. Michael Schnieders die Anwesenden mit den Worten „es ist mir eine außerordentliche Freude, Sie und Euch alle zu unserem Festkapitel heute hier in Köln begrüßen zu dürfen. 90 Jahre Deutsche Statthalterei – das ist schon etwas Besonderes. Genau aus diesem Grund haben wir entschieden, Sie und Euch, liebe Angehörige unserer Mitglieder sowie Angehörige der Kandidatinnen und Kandidaten, zu unserer heutigen Kapitelsitzung einzuladen.“ Neben einer wichtigen Projektbeschreibung der Heilig-Land-Kommissionsvorsitzen war der Höhepunkt des Festkapitels der Vortrag von S.Em. Cfr. Großprior Reinhard Kardinal Marx

In seiner Festansprache hob der Großprior, S.Em. Cfr. Reinhard Kardinal Marx, auf die Zeitenwende ab, in der sich auch die Kirche befindet. „Es kommt darauf an, die heutige Zeit mit den heutigen Rahmenbedingungen anzunehmen und die Kirche weiterzuentwickeln“, so der Großprior. Die Religion dürfe sich dabei weder in das Private abdrängen noch für politische Zwecke instrumentalisieren lassen. Die Kirche lerne von der Gesellschaft, deute die heutigen Rahmenbedingungen im Licht des Evangeliums. Auch der Orden solle synodal sein: „So wie die Kirche in den Ortskirchen lebt, so lebt der Orden in den Komtureien. Von dort soll sich auch die Spiritualität des Ordens in Denken und Gebet entfalten.” Der Orden müsse sich vor Ort um die Menschen in Krisengebiete kümmern, insbesondere um die Flüchtlinge im Heiligen Land. Weiterhin führte Großprior S.Em. Cfr. Reinhard Kardinal Marx aus: „Eine besondere Aufgabe erwächst dem Orden in der Versöhnung von Christen und Muslimen“. Der Orden müsse sich an alle richten, nicht elitär ausschließend wirken, gleichzeitig seinen Anspruch an seine Mitglieder aufrechterhalten. Insgesamt komme für Jeden darauf an, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, zusammen zu bleiben und zusammen zu stehen.

Die Indienstnahme zum Aufbau der neuen Stadt

Im Generalvikariat des Erzbistums versammelten sich die Kandidatinnen und Kandidaten und Mitglieder zur Statio mit dem früheren Kölner Komtureiprioren Cfr. Pater Christoph Wekenborg OP. Er verwies in seiner Statio auf seine Sabbatzeit im Heiligen Land „Ich sah die Heilige Stadt – ja das tat ich! In all ihrer Faszination, aber eben auch in ihren fast unüberwindbar scheinenden Problemen. Heute haben wir uns hier in Köln versammelt, einer so ganz anderen, aber nichtsdestotrotz ebenfalls spannenden Stadt.“ Zudem ging Cfr. Pater Christoph Wekenborg OP auf die symbolträchtige Zahl 12 ein. „Die 12 romanischen Kirchen Kölns verweisen je einzeln, aber auch in ihrer heutigen Zwölfzahl auf diese johanneische Vision. Hier ist die neue Stadt schon in unserer Mitte. Du betrittst schon jetzt das Himmlische Jerusalem – noch im irdischen Gewande, aber schon da!“

Mit einer Prozession zum Hohen Dom zu Köln begann der Investiturgottesdienst.

Die Botschaft der Hoffnung, der Liebe und der Barmherzigkeit

Die Predigt von S.Em. Großprior Reinhard Kardinal Marx begann mit einführenden Worten, die die Zuhörendene auf eine geistliche Reise mitnahmen. S.Em. Großprior Reinhard Kardinal Marx betonte die Bedeutung des Glaubens und erinnerte die Anwesenden daran, dass die Botschaft Jesu Christi auch in der modernen Welt von großer Relevanz ist. Mit klaren Worten vermittelte er eine Botschaft der Hoffnung, der Liebe und der Barmherzigkeit.

„In einer Welt, die von Ungerechtigkeit und Spaltung geprägt ist, müssen wir uns als Gläubige vereinen, um das Licht der Liebe und der Versöhnung zu verbreiten. Der wahre Reichtum eines Menschen liegt nicht in seinem Besitz, sondern in der Großzügigkeit seines Herzens. Lasst uns deshalb niemals vergessen, dass der Glaube uns dazu aufruft, für die Schwachen einzutreten und ihnen eine Stimme zu geben. Der Weg des Glaubens ist oft nicht einfach, aber er führt zu einer tiefen inneren Freude, die die Welt nicht geben kann. Liebe Brüder und Schwestern – lasst uns die Augen nicht vor den Herausforderungen unserer Zeit verschließen, sondern sie als Gelegenheit sehen, unsere Liebe und unseren Glauben in die Tat umzusetzen. Die Botschaft Jesu erinnert uns daran, dass wir alle Kinder Gottes sind und dass wir uns gegenseitig mit Respekt und Würde behandeln sollten. Die Liebe Gottes kennt keine Grenzen. Lasst uns unsere Herzen öffnen, um sie in die Welt zu tragen und anderen Menschen Hoffnung zu schenken. In einer Gesellschaft, die oft von Selbstsucht geprägt ist, sollen wir als Christen Zeugen der Demut und des Dienstes sein. Der Glaube fordert uns dazu auf, das Gemeinwohl über unsere eigenen Interessen zu stellen und aktiv an der Gestaltung einer gerechteren Welt mitzuwirken. Lasst uns deshalb im Gebet vereint bleiben und uns gegenseitig unterstützen, um in dieser herausfordernden Welt Standhaftigkeit und Mut zu bewahren“, so S.Em. Großprior Reinhard Kardinal Marx.

Das Himmlische Jerusalem kann schon jetzt wahr werden

Cfr. Stephan Hungerland erinnerte in seiner Neuinvestiertenansprache an die vergangene Herbstinvestitur in Regensburg und die Kernelemente der Predigt S.Em Großprior Reinhard Kardinal Marx – Tradition, Konzentration und Innovation. „Meine Schwestern und Brüder, diese Vielfalt der Talente innerhalb der Einheit unserer Ordensgemeinschaft zu nutzen, das ist in meinen Augen die Chance, die der Jahrgang Investitur 23 aus Köln unserer Gemeinschaft bietet und anbietet! Wenn wir dies anpacken, mit diesen Talenten den Menschen im Heiligen Land Hilfe und Unterstützung geben, uns unsererseits aber bitte auch von ihnen den Glauben nahebringen lassen, uns befruchten lassen durch ihre Anregungen, und uns dabei auf allen Ebenen unserer Ordensgemeinschaft gegenseitig in einer geistlichen Gemeinschaft stärken, wenn die soeben zitierten Beispiele aus unserem täglichen Tun zum Maßstab werden, dann wird ein ganz kleines Stück Himmlisches Jerusalem schon jetzt wahr. Ohne die Liebe zu Gott, dem Nächsten und uns selbst ist das alles aber nichts!“

Die Bedeutung der Barmherzigkeit im christlichen Glauben

Cfr. Domkapitular Guido Zimmermann, Prior der Komturei Heilige Drei Könige Köln,t erinnerte in seiner Statio zum Pontifikalamt am Sonntag an die letzte Investitur in Köln im Jahre 2013 und den starken Bezug Kölns zum Karneval. „Die Begeisterung für den Karneval könne auch unserem Orden guttun“, so Cfr. Domkapitular Guido Zimmermann. Jedoch sollten wir uns vor Augen halten, dass wir eine Gemeinschaft von Menschen sind, die von der österlichen Freude erfüllt sind.

In seiner Predigt sprach S.E. Cfr. Weihbischof Rolf Steinhäuser über das Thema der Barmherzigkeit und betonte, dass jeder von uns die Verantwortung hat, diese Tugend auch im eigenen Leben zu leben. Er sagte: „Barmherzigkeit bedeutet, die Not der anderen zu erkennen und sich um sie zu kümmern. Es ist eine Haltung, die unser Herz öffnet und uns verpflichtet, für andere da zu sein.“ Weiterhin betonte S.E. Cfr. Weihbischof Rolf Steinhäuser die Bedeutung der Barmherzigkeit im christlichen Glauben: „Für uns als Christen ist die Barmherzigkeit ein zentraler Aspekt unseres Glaubens. Sie ist ein Ausdruck der unendlichen Liebe Gottes zu uns.“ Abschließend ermutigte S.E. Cfr. Weihbischof Rolf Steinhäuser seine Zuhörerinnen und Zuhörer, ihr Herz für die Not anderer zu öffnen und selbst Barmherzigkeit zu üben: „Lasst uns an der Barmherzigkeit Gottes orientieren und selbst zu barmherzigen Menschen werden, die Nächstenliebe leben und helfen, wo wir können.“

Die Investiturtage endeten endgültig mit Worten des Dankes durch S.E. Statthalter Cfr. Dr. Michael Schnieders. Insbesondere richtete sich der Dank erneut an die Leitende Komturdame Csr. Dr. Susanne Wierzimok, die mit ihren Komtureimitgliedern diese Investiturtage erst ermöglicht hat, aber auch an die Teilnehmenden einschließlich ihrer Familienangehörigen sowie die über das Internet mittels Streams verbundenen Interessierten.

OESSH Deutsche Statthalterei

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