Der Provinztag der Ordensprovinz Südwestdeutschland am 15. und 16. November 2025 in Rastatt war gekennzeichnet durch die Teilnahme von Mitgliedern unseres Ordens nebst Kandidatinnen, Kandidaten und Gästen, insgesamt über siebzig Personen, wohl auch wegen des besonderen Anlasses: Cfr. Dr. Peter Müller reichte den Staffelstab des Präsidenten der Ordensprovinz Südwestdeutschland an seinen Nachfolger Cfr. Dr. Joachim Desprez weiter.


Von Golgatha aus in die Welt
Zum Auftakt hielt Prof. Dr. Kathrin Müller vom Institut für Kunst- und Bildgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin einen Vortrag über das Thema „Von Golgatha aus in die Welt – Das Kreuz Christi und seine Objektgeschichte“.
Das Kreuz sei etwas Zeitloses, Historisches, zugleich jederzeit aktualisiert und immer auch Objekt. In der Grabeskirche, einem Ort der Frömmigkeit, herrsche eine Intensität, der man sich kaum entziehen könne. Die Gläubigen spürten die Unbegreiflichkeit des Mysteriums. Die Auffindung des Kreuzes werde nach einer Legende Helena der Großen zugeschrieben. Zu einem Symbol sei es erst im 4. Jahrhundert geworden. Eine Rekonstruktion bleibe Hypothese. Anhand von bildlichen Darstellungen schlug sie einen weiten Bogen von den Anfängen bis zu „Jesus Christ Superstar“. Den Schlusspunkt ihrer detaillierten, kenntnisreichen und interessanten Ausführungen bildete die Erläuterung der Epstorfer Weltkarte, die im Zentrum das fest ummauerte Jerusalem zeigt und an den Rändern das Haupt Christi, seine Hände und Füße, deren Verbindungslinien ein Kreuz bilden.
Entpflichtung und Ernennung
Der Statthalter, S.E. Cfr. Dr. Michael Schnieders, gemeinsam mit seiner Ehefrau aus Münster angereist, würdigte bei der Entpflichtung vom Amt des Präsidenten Cfr. Dr. Peter Müller als „bibliophil, sprachbegabt und kunstbeflissen“ und hob besonders dessen unermüdlichen Einsatz im Dienste des Ordens hervor. Cfr. Dr. Peter Müller habe nach dem Tod von Cfr. Hagenbucher die Provinz weiter aufgebaut und vorangebracht. Auch seine Familie habe dieses Engagement vorbildlich mitgetragen. Die Ordensfamilie schulde ihm großen Dank für seine herausragende Leistung. Zudem wünschte er ihm für die Zukunft mehr Freiraum für sich selbst: „Die ganze Zeit, die Du nicht mehr durch die Provinz fahren musst, kannst Du jetzt lesen.“
Weiter gehe es nun mit Cfr. Dr. Joachim Desprez, den er als „kraftvollen, den katholischen Glauben lebenden Menschen“ kenne. Ausdrücklich lobte er im Rahmen der Ernennung des neuen Präsidenten auch den Einsatz des Ehepaares Cfr. Dr. Joachim Desprez und Ehefrau Desprez in Lourdes, „um zu helfen und zu dienen“. Seit 2008 kenne er beide und gab seiner Überzeugung Ausdruck, dass Cfr. Dr. Joachim Desprez Sorge trage, „dass aus einer Atmosphäre familiärer Art das erwachse, was den Christen im Heiligen Land guttut“.

Stärkung der Gemeinschaft
Als ehemaliger Leitender Komtur und Mitglied der Kommission Spiritualität das neue Amt zu übernehmen, so der in Konstanz geborene Mediziner bei seiner Vorstellung, sei ihm Ehre und Verpflichtung zugleich, und er dankte Cfr. Dr. Peter Müller für die unkomplizierte Übergabe. Wichtig seien die Stärkung der Gemeinschaft, der Austausch von Ideen, Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit, Glaubwürdigkeit und Spiritualität sowie die gelegentliche Rückbesinnung auf die „eigentlichen Inhalte des Ordens“. Im Zentrum stehe das Heilige Land.

Auftrag als Dienst
Er habe seinen Auftrag als Dienst verstanden, merkte der Amtsvorgänger an. Wichtig sei ihm gewesen, für die Provinzveranstaltungen Themen zu finden, die viele interessierten. Anstelle einer Rede wolle er die Gelegenheit nutzen, allen in der Ordensfamilie für die Unterstützung zu danken, dem gesamten Provinzrat und auch seiner Familie, die ihn oft begleitet habe. Wie man ihn kennt, fand er auch launige Worte. So habe seine damals fünfjährige Tochter nach einem Investiturgottesdienst zum Großprior gesagt: „Ich kenne Dich. Du warst eben auch in der Kirche.“
Stets habe Cfr. Dr. Peter Müller großen Wert auf ein ordensgeschwisterliches Miteinander gelegt, jede Anregung gern aufgenommen und Entwicklungen in der Gemeinschaft stets informell und transparent vermittelt, die Aufgaben des Ordens fest im Blick, betonte Cfr. Thomas Schätzle in seinen Dankesworten im Namen des Provinzrates. „Mit Dir zusammen bildeten wir ein wunderbares Team.“

Die geistliche Begleitung des Provinztages lag in den Händen von Cfr. Pfarrer Franz Lang, dem Geistlichen Zeremoniar der Provinz, der das Abendlob gestaltete, sowie bei der Feier des Sonntagsgottesdienstes in den Händen des Zelebranten, Provinzprior Cfr. Pater Winfried Schwab OSB. Die musikalische Umrahmung übernahmen Christine Timmermann-Gahn (Gesang), eine Schola und Organist Cfr. Dr. Wolfgang Miller.

