Pilger der Hoffnung

Das Heilige Jahr 2025 steht unter dem Leitwort „Pilger der Hoffnung“. Papst Franziskus hat dieses Jahr am 24. Dezember 2024 eröffnet. Am 6. Januar 2026 wird Papst Leo die Heilige Pforte des Petrusdoms in Rom schließen und damit das Jubiläumsjahr beenden. Was bleibt von diesem „Hoffnungs-Jahr“ für die Zukunft?

Wallfahrtsimpuls

Einen wichtigen Impuls hat mir die große Osnabrücker Fußwallfahrt nach Telgte gegeben, die jedes Jahr im Juli in der Kirche St. Johann in Osnabrück startet und zum ungefähr 45 Kilometer entfernten Wallfahrtsort Telgte im Münsterland führt. In diesem Jahr war mir in Telgte etwas Besonderes aufgefallen: Auf dem Platz vor der Gnadenkapelle mit dem Bild der Schmerzhaften Mutter und ganz in der Nähe der Wallfahrtskirche befindet sich ein großer Schiffsanker. Ich war verwundert: Telgte ist doch keine Schifferstadt und hat keinen Hafen. Warum dieser Anker?

Mit Verantwortlichen der Kirchengemeinde vor Ort kam ich ins Gespräch. Sie erzählten: Gemeindemitglieder hatten sich dafür stark gemacht, dass in diesem Heiligen Jahr 2025 mit dem Leitwort „Pilger der Hoffnung“ ein Anker sichtbar auf dem Platz liegt. Der Anker ist ein Hoffnungszeichen. Viele – wie ich ja auch – fragen nach der Bedeutung des Ankers. Es kommt dann zu Gesprächen mit folgenden Fragen: Hast du Orte der Hoffnung? Kannst du Menschen oder Bibeltexte benennen, die die Hoffnung stärken? Ist dein Alltag von christlicher Hoffnung geprägt? Die Gemeinde hat mit dem Anker auf dem Platz in der Nähe der Kirche die Erfahrung gemacht: Wir kommen miteinander über unsere Hoffnung ins Gespräch.

Anker – Zeichen der Hoffnung

Auf dem Rückweg von Telgte nach Osnabrück ging mir das Gespräch nach. Der Anker gilt als eines der ältesten christlichen Hoffnungszeichen. Bereits die Theologen der ersten Jahrhunderte der Kirche haben in ihren Traktaten geschrieben: So wie die Seeleute bei einem schweren Sturm keine Angst zu haben brauchen, wenn ihr Schiff einen guten Anker hat, so brauchen auch die Christinnen und Christen sich nicht zu fürchten, wenn sie Christus als ihren Anker haben.

Biblische Texte als Hoffnungsanker

Am 4. Advent hören wir in der Eucharistiefeier die Worte aus dem Prophetenbuch Jesaja, die der Evangelist Matthäus aufnimmt: Sein Name ist Immanuel – Gott mit uns. Dieser Vers begleitet mich schon lange. Vor meiner Priesterweihe vor 37 Jahren habe ich dieses Wort der Heiligen Schrift als Primizspruch ausgewählt – gleichsam als Überschrift über mein priesterliches Leben.

Ich habe die Erfahrung gemacht: Vieles hat sich in der Welt, in der Kirche, im Priesterbild verändert. Ich gehe meinen Weg in der Hoffnung, dass bei allen Herausforderungen Gott an der Seite der Menschen steht. Er ist nicht fern, weit über uns, abwesend oder gleichgültig. Wir leben nicht in einer gottlosen Welt. Gott stellt uns in diese Welt, damit wir von der Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes in Wort und Tat Zeugnis geben. Er wird unser Tun und unser Lassen am Ende vollenden. Aus dieser Hoffnung gestalte ich mein priesterliches Leben.

Gespräche können die Hoffnung bestärken

Vor einigen Tagen hatte mich eine Schwerkranke gebeten, sie zu besuchen und das Sakrament der Krankensalbung zu feiern. Mit leiser und schwacher Stimme erzählte sie, dass sie ein glückliches Leben führen konnte. „Und nun ahne ich: Gott ist auch jetzt bei mir in dieser schweren Krankheit. Ich fühle mich geborgen.“

Bei der Feier der Krankensalbung erzählte ich von meinem Primizwort: Sein Name ist Immanuel – Gott mit uns. Wir haben miteinander gebetet, das weihnachtliche Evangelium nach Matthäus gelesen bzw. gehört und durften erleben: Die Begegnung und der biblische Text haben uns in der Hoffnung gestärkt.

Fragen bleiben

Die Fragen „beim Anker“ lege ich Ihnen und euch allen vor: Hast du Orte der Hoffnung? Kannst du Menschen oder Bibeltexte benennen, die die Hoffnung stärken? Ist dein Alltag von christlicher Hoffnung geprägt? Ich vermute, dass wir in unseren Familien, in Freundeskreisen und in den Komtureien ganz viele Orte der Hoffnung zusammentragen können, sicherlich auch Orte im Heiligen Land. Es wird auch nicht schwerfallen, biblische Texte zusammenzutragen – in diesem Jahr wohl auch das Leitwort unserer Statthalterei: Lenke unsere Schritte auf den Weg des Friedens. Vor allem wünsche ich uns, dass wir erkennen: Die christliche Hoffnung prägt unseren Alltag. Wir sind als Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung unterwegs.

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