Stadt Konstanz empfängt Ritterorden im historischen Rathaus
Konstanz – Die Deutsche Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem hat vom 29. bis 31. Mai 2026 ihre Frühjahrsinvestitur in Konstanz gefeiert. Mehr als 800 Mitglieder und Gäste kamen nach Angaben der Statthalterei zu den Feierlichkeiten an den Bodensee. Den Auftakt bildete ein Empfang der Stadt Konstanz im historischen Rathaus. Im Ratssaal begrüßte Gemeinderat Roger Tscheulin die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und überbrachte die Grüße von Oberbürgermeister Uli Burchardt.
Tscheulin verwies auf Konstanz als Ort der Begegnung über Grenzen hinweg. Die Stadt sei durch ihre Lage in der Vierländerregion und durch die Geschichte des Konstanzer Konzils in besonderer Weise international geprägt. An die Kandidatinnen und Kandidaten gerichtet bezeichnete er die bevorstehende Aufnahme in den Orden als persönlichen und verbindlichen Schritt. Der Statthalter der Deutschen Statthalterei, Cfr. Dr. Michael Schnieders, dankte der Stadt für den Empfang.

Bischof Krämer stellt Hoffnung in den Mittelpunkt
In der anschließenden Vesper rückte der geistliche Leitgedanke der Investitur in den Mittelpunkt. Der Offiziant, Cfr. Bischof Dr. Klaus Krämer von Rottenburg-Stuttgart, stellte das Wort „Hab festen Mut und hoffe auf den Herrn“ ins Zentrum. Dieses nehme in gewisser Weise das Motto des 104. Deutschen Katholikentags auf: „Hab Mut, steh auf!“ Es gehe um Mut und Hoffnung; Hoffnung sei das, was die Gegenwart besonders brauche, sagte Dr. Krämer.
Der Bischof verwies auf den Psalmvers „Der Herr ist mein Licht und mein Heil“ und stellte Konstanz in den Zusammenhang von Wallfahrt und Pilgerschaft. Die Stadt sei Station auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela gewesen. Zugleich hätten Pilger aus der Bodenseeregion im Münster die Nachbildung des Heiligen Grabes aufgesucht. In Christus habe die Hoffnung ihren Grund, ihr Ziel und einen Ort.

Letzte geistliche Einstimmung vor der Investitur
Die von gedämpftem Licht und vielen Kerzen geprägte Vigil am Freitagabend bildete die letzte intensive geistliche Einstimmung vor der Investitur. Im Münster Unserer Lieben Frau bot sie den Kandidatinnen und Kandidaten Raum, vor der Aufnahme in den Orden noch einmal innezuhalten. Der Offiziant, Cfr. Dr. Wolfgang Hartmann, Geistlicher Zeremoniar der Deutschen Statthalterei, hob den Zusammenhang von Glauben und Leben hervor.
Der Ort des Heiligen sei heute nicht mehr durch Mauern aus Stein zu umschreiben; Gotteserfahrung finde auch außerhalb kirchlicher Räume statt. An die Kandidatinnen und Kandidaten gerichtet sagte Hartmann, sie beschritten mit der Aufnahme in den Ritterorden einen Weg, der unter dem Zeichen stehe, „Glauben und Leben zusammenzubringen“. Die Mitte des Ordens sei das leere Grab Christi. Gerade darin liege die Berufung, „angesichts der Leere eines Grabes, von Gottes Gegenwart zu sprechen“ und am Leben und Leiden der Menschen teilzunehmen, besonders der Christen im Heiligen Land.

Erneuerung, Dienst und Unterstützung des Heiligen Landes
Nach der geistlichen Einstimmung des Vorabends führte der Samstagmorgen den Blick auf Auftrag und Selbstverständnis des Ordens. Bei der Kapitelsitzung in St. Stephan ordnete Cfr. Dr. Wolfgang Hartmann die Investitur in die Geschichte des Konstanzer Konzils ein. Dessen Themen Einheit der Kirche, Klärung von Glaubensfragen und Erneuerung der Kirche seien auch für den Ritterorden von Bedeutung. Als päpstlicher Orden sei ihm die Einheit mit dem Papst „ins Stammbuch geschrieben“.
Mit Blick auf die neuen Mitglieder griff Dr. Hartmann den Begriff „Conversatio morum“ aus der Regel des heiligen Benedikt auf und deutete ihn mit Papst Benedikt XVI. als „neuer Lebensstil“. Dieser zeige sich im Dienst an verwundeten und notleidenden Menschen, besonders an den Christen im Heiligen Land. Nach Informationen der Deutschen Statthalterei ist die Spendenbereitschaft weiter gestiegen. Der Orden zeigte sich dafür dankbar; die Unterstützung der Christen im Heiligen Land könne damit dauerhaft fortgeführt werden.

Empfang der Landesregierung: Hagel würdigt gesellschaftliche Kraft des Ordens
Beim Empfang der Landesregierung würdigte Baden-Württembergs stellvertretender Ministerpräsident Manuel Hagel das Engagement des Ordens für Kirche und Gesellschaft. Die Mitglieder stärkten „nicht nur die christliche Glaubensgemeinschaft, sondern unsere Gesellschaft insgesamt“, sagte Hagel. Er begrüßte unter anderem den Großprior der Deutschen Statthalterei, Reinhard Kardinal Marx, sowie den Statthalter Cfr. Dr. Michael Schnieders.
Mit Blick auf den Leitspruch „Deus lo vult“ sagte Hagel, der Wille Gottes lasse sich nicht abschließend festschreiben. Ihn zu ergründen sei „ein Weg, ein Prozess, ein lebenslanges Lernen“. Christsein sei „keine Theorie, kein Konzept, kein Habitus“, sondern „ein Lebensstil. Eine Haltung. Ein Tun“. Der Ritterorden handle nicht „mit Getöse und Popanz“, sondern in „stiller Bescheidenheit“.

Kardinal Marx ruft zu geistlicher Wachheit auf
Im Zentrum des Samstags stand die Investiturmesse. Reinhard Kardinal Marx, Großprior der Deutschen Statthalterei, stellte dabei den Heiligen Geist als schöpferische Kraft Gottes in den Mittelpunkt. Damit nahm der liturgische Hauptakt den Hoffnungs- und Erneuerungsgedanken der vorangegangenen Feiern auf. Die Geschichte des Geistes beginne nicht erst mit der Kirche, sondern mit der Schöpfung. Der Geist Gottes sei die Kraft, „die den ganzen Kosmos bewegt“, betonte Marx .
Die biblische Erzählung vom Sündenfall deutete Marx als Hoffnungsgeschichte. „Der Mensch versagt, Gott bleibt treu“, sagte der Kardinal. An die Kandidatinnen und Kandidaten gerichtet betonte er, sie träten einer Gemeinschaft bei, die Zeugnis von der schöpferischen Kraft Gottes geben solle. Christen seien berufen, „Zeugen der Auferstehung“ und „Zeugen des neuen Lebens“ zu sein. Der Orden solle nicht Weltklage verstärken, sondern in der Welt ein Zeichen der Hoffnung sein.


Ein Aufruf zu Mut und Tapferkeit
Der Festabend nahm die geistlichen Leitmotive des Tages nochmals auf. Die Ansprache des krankheitsbedingt abwesenden Statthalters Cfr. Dr. Michael Schnieders wurde von Kanzler Cfr. Ferdinand Giese verlesen. Dr. Schnieders dankte der Komturei St. Georg Ravensburg für die Vorbereitung der Investitur und sprach angesichts der großen Zahl der Teilnehmenden von einer „Meisterleistung“. Konstanz bezeichnete er mit Blick auf das Konzil als geschichtsträchtigen Ort.
Im Mittelpunkt standen Mut und Tapferkeit. Mut verstand Dr. Schnieders als innere Haltung, Tapferkeit als Bereitschaft, einen als richtig erkannten Weg auch bei Hindernissen fortzusetzen. Als Beispiel nannte er die Christen im Heiligen Land. Sie wirkten auf ihn „mutig im Aushalten und Verbleiben“ sowie „tapfer im Leben ihres Alltags“.

Ein Blick auf den künftigen Dienst im Orden
Aus der Perspektive der neu aufgenommenen Mitglieder richtete Csr. Rahel Uhlig den Blick auf den künftigen Dienst im Orden. Sie dankte den Verantwortlichen der Investitur und beschrieb die Aufnahme als Beginn eines neuen Weges „im Glauben, in der Freundschaft und im Dienst an den Christen im Heiligen Land“.
Mit Blick auf das Heilige Land verwies Uhlig auf das Gebet für Frieden, Versöhnung und besonders für die christlichen Geschwister, „die zwischen allen Fronten stehen“. Zugleich regte sie an, die Ritter-App um einen Gebetsraum oder eine virtuelle Kapelle als „lebendiges Netzwerk des Gebets“ zu erweitern. Aufgabe der Damen und Ritter sei es, „Brücken des Glaubens, der Hoffnung und des Friedens“ zu bauen.

Ein Aufruf zu Frieden und Versöhnung durch Erzbischof Burger
Am Sonntag weitete das Pontifikalamt den Blick über die Investitur hinaus auf die Verantwortung der Christen in einer von Konflikten geprägten Welt. Im Konstanzer Münster stellte der Freiburger Erzbischof Stephan Burger am Dreifaltigkeitssonntag die Mahnung des Apostels Paulus in den Mittelpunkt: „Kehrt zur Ordnung zurück, lasst euch ermahnen, seid eines Sinnes, haltet Frieden!“ Diese Aufforderung treffe in eine Zeit weltweiter Konflikte. Burger verwies unter anderem auf die Ukraine, den Nahen Osten, den Sudan, Nigeria und den Kongo.
Mit Blick auf die Enzyklika „Magnifica Humanitas“ von Papst Leo XIV. betonte Burger laut Predigttext, jeder Versuch, „eine Nation auszulöschen oder zu unterwerfen“, sei „zutiefst unmoralisch und daher inakzeptabel“. An die Ordensmitglieder gewandt würdigte Burger den Einsatz des Ritterordens im Heiligen Land. Die Projekte des Ordens und die finanzielle Unterstützung seiner Mitglieder seien „ein bewusster Beitrag“, um Voraussetzungen für Frieden und Versöhnung zu schaffen.


Der Kanzler spricht von einem Glaubensfest
Am Ende der drei Tage verband der Kanzler den Rückblick auf die Feierlichkeiten mit dem Dank an die Verantwortlichen und Mitwirkenden. Die Investitur bezeichnete er als „Glaubensfest“, für das er „aus tiefstem Herzen“ dankbar sei. Zugleich äußerte er den Wunsch, die Eindrücke der Investitur auch im Alltag lebendig zu halten.

