Im größten deutschen eucharistischen Wallfahrtsort Walldürn wird in diesem Jahr das 400-jährige Jubiläum des Blutaltars von Zacharias Juncker im Rahmen der Hauptwallfahrtszeit und unter dem Leitwort „Die Liebe hört niemals auf“ (1 Kor 13,8) gefeiert.
Der Beginn der Walldürner Wallfahrt
In die Amtszeit von Pfarrer Jost Hoffius zwischen 1580 und 1628 fällt die Begründung der Tradition der heutigen Wallfahrt. In dieser Zeit entstand auch der Heilig-Blut-Altar in seiner jetzigen Form. Er wurde in den Jahren 1622 bis 1626 – mitten im Dreißigjährigen Krieg – vom Bildhauer Zacharias Juncker aus Alabaster geschaffen. Papst Urban VIII. würdigte die Walldürner Wallfahrt im Jahr 1624 mit einem vollkommenen Ablass.

Der Blutaltar steht im ältesten Teil der Kirche, an jenem Ort, an dem sich um das Jahr 1330 das eucharistische Blutwunder ereignet hat. Der Priester Heinrich Otto hatte während der Messe aus Unachtsamkeit den Kelch mit dem konsekrierten Wein umgestoßen, der sich auf das Korporale ergoss. Es zeichnete sich das Bild des Gekreuzigten, umgeben von elf „Veronicae“, dem dornenumwundenen Haupt Christi, ab. Heinrich Otto versteckte voll Schrecken das Leinentüchlein unter der Altarplatte. Erst auf dem Sterbebett offenbarte er das Geheimnis des verborgenen „blutigen Korporales“.
Schnell verbreitete sich die Nachricht von diesem Zeichen, das Gott in Walldürn bewirkt hatte, und die ersten Pilger kamen zur Verehrung des kostbaren Blutes unseres Herrn Jesus Christus nach Walldürn. Im Jahr 1408 wurde das Kelchtuch dem zuständigen Fürstbischof von Würzburg, Johann I. von Egloffstein, zur Prüfung und Genehmigung der Wallfahrt vorgelegt. Im Jahr 1445 wurde es zu Papst Eugen IV. nach Rom gebracht, der eine Ablassurkunde ausstellte. In einem Silberschrein birgt der Altar bis heute das Blutkorporale und bildet damit das Herzstück der Wallfahrt zum Heiligen Blut.
Pontifikalamt am Pfingstmontag
Feierlich begangen wurde das Jubiläum am Pfingstmontag mit einem Pontifikalamt, das von S. E. Cfr. Erzbischof Stephan Burger aus Freiburg zelebriert wurde. Cfr. Burger wünschte sich, dass in der gegenwärtigen Zeit noch mehr Pilgerinnen und Pilger den Weg nach Walldürn finden und gehen. „Aber ich denke, nicht die Zahl ist letztendlich ausschlaggebend, sondern das, was die Pilgerinnen und Pilger von diesem Ort erfahren und mitnehmen.“ Denn bei allem Auf und Ab der Geschichte zeige der Altar neben seiner künstlerischen Ausgestaltung eine besondere Lektion fürs Leben: „Er verweist uns auf das eucharistische Geheimnis, das sich bis auf den heutigen Tag in der Kraft des Heiligen Geistes bei jeder Feier der Heiligen Messe vollzieht. Er verweist uns auf das Blutwunder, das uns die Gottheit und Menschheit Jesu Christi nahebringt.“

Großer Blutfeiertag nach Fronleichnam
Mit dem Großen Blutfeiertag, der eine Woche nach Fronleichnam gefeiert wird, begingen die Walldürner und mit ihnen viele Hundert Wallfahrer den größten und bedeutendsten Feiertag im Verlauf der vierwöchigen Wallfahrtszeit. Auch dieser stand in diesem Jahr ganz im Zeichen des Jubiläums 400 Jahre Blutaltar.
Hauptzelebrant war S. Em. Dominique Joseph Kardinal Mathieu OFMConv., Erzbischof von Teheran-Isfahan. „Was bedeutet das Blut Christi in einer Welt, in der täglich Blut durch Krieg, Gewalt und Verbrechen vergossen wird?“, fragte der Kardinal zu Beginn seiner Predigt. „Wer hat sein Blut vergossen, damit Menschen das Leben in Fülle haben? Jesus Christus.“ Dessen Blut sei nicht bloß ein fernes Zeichen aus biblischer Zeit, kein symbolisches Echo und keine fromme Erinnerung. Es sei nach christlichem Verständnis Quelle von Heil, Reinigung, Versöhnung und Hoffnung. Dort werde das Blut Christi gegenwärtig, lebendig und wirksam – nicht als Bild, sondern als Wirklichkeit des Glaubens.

Cfr. Dr. Martin Seitz, Ltd. Komtur der Komturei St. Bonifatius Walldürn, konnte zu den Feierlichkeiten und zum regionalen Großereignis des Großen Blutfeiertages Ordensmitglieder aus den Komtureien St. Bernhard von Clairvaux Heidelberg/Mannheim, Regina Coeli Speyer/Kaiserslautern und St. Kilian Würzburg begrüßen. Am Pfingstmontag war mit Cfr. Dr. Joachim Desprez auch der Präsident der Ordensprovinz Südwestdeutschland anwesend.
Im Anschluss an die Pontifikalämter hatten die Consorores und Confratres jeweils beim Stehempfang Gelegenheit, sich mit S. E. Cfr. Erzbischof Stephan Burger und S. Em. Dominique Joseph Kardinal Mathieu OFMConv. im Gespräch auszutauschen.

