FRANKENTHAL / SPEYER – Ein seltener Meilenstein, ein starkes Zeichen der Verbundenheit und tiefgründige theologische Impulse für die Zukunft der Kirche: Am Sonntag, 7. Juni 2026, feierte Cfr. PD Dr. Joachim Reger, Prior der Komturei Regina Coeli Speyer/Kaiserslautern, sein 40-jähriges Priesterjubiläum.
Unter großer Anteilnahme der Gemeinde, zahlreicher Gäste von nah und fern sowie einer stattlichen, unübersehbaren Abordnung von Damen und Rittern im Ordensmantel fand in der vollbesetzten Pfarrkirche St. Ludwig in Frankenthal ein feierlicher Festgottesdienst statt. Dass so viele Ordensgeschwister den Weg in die Vorderpfalz gefunden hatten, zeugte eindrucksvoll von der tiefen Wertschätzung für den Jubilar.
Die außerordentliche Bedeutung des Festes spiegelte sich in der Anwesenheit zahlreicher Vertreter des Ordens wider. So durfte die Komturei den Präsidenten der Ordensprovinz Rhein-Main, Cfr. Erwin Waider, sowie seine Vorgängerin im Amt, Csr. Ricarda Schulze-Dieckhoff, herzlich begrüßen. Ebenso erwies der Präsident der Ordensprovinz Südwestdeutschland, Cfr. Dr. Joachim Desprez, dem Jubilar die Ehre. Eine besondere Freude war zudem die Mitfeier von Cfr. Dr. Georg Müller, Domkapitular zu Speyer und Provinzprior der Ordensprovinz Rhein-Main, der als früherer Schüler von Dr. Reger eine ganz persönliche Verbindung zu dessen jahrzehntelangem pädagogischen und theologischen Wirken verkörpert.

Ein neues Rollenverständnis: Priestertum im Wandel
In seiner tiefgründigen und intellektuell präzisen Predigt warf der habilitierte Fundamentaltheologe einen nüchternen, aber zutiefst hoffnungsvollen Blick auf die vergangenen vier Jahrzehnte der Kirchengeschichte. Das priesterliche Amt habe sich seit den Anfängen der 1980er-Jahre grundlegend verändert. Der Jubilar betonte, dass der Abschied von einem rein formalen, abgehobenen Amtsverständnis eine notwendige Befreiung darstelle: Erst die Überwindung institutioneller Machtansprüche öffne den Weg für eine glaubwürdige Kirche, die den Menschen wirklich nahe sei.
Ein altes, von Distanz geprägtes Priesterbild trage in der heutigen Lebenswirklichkeit der Menschen nicht mehr. Anstelle einer bloß institutionellen Absicherung trete im Zuge des gesellschaftlichen Wandels heute die menschliche Person ganz neu in den Vordergrund. Gefragt seien vielmehr die persönliche Glaubwürdigkeit und die authentische Bereitschaft des Seelsorgers, sich ganz auf die Gegenwart Gottes sowie auf die konkreten Anliegen der Menschen einzulassen.
Hierin verortete der Jubilar auch einen kraftvollen, positiven Ausblick für die Kirche von morgen: Gerade diese ehrliche, menschliche Nahbarkeit besitze eine immense Anziehungskraft. Wenn sich Priester und Gläubige gleichermaßen als mutige Visionäre begreifen, die sich kompromisslos auf die vielfältigen Milieus der Gegenwart einlassen, könne daraus eine neue, tiefe Reife erwachsen. Für die Zukunft von Kirche und Priestertum forderte der Prior eine mutige geistige Offenheit, die bestehende Mauern überwindet. Der wahre Kern der Weitergabe des Glaubens liege heute im behutsamen Dialog. Es gehe nicht darum, die frohe Botschaft aufzudrängen, sondern sie mit großer Zurückhaltung als echte, tragfähige Perspektive für ein gelingendes Leben anzubieten. Den gläubigen Menschen der Zukunft beschrieb er versöhnlich als einen „Gottesstreiter“ – als jemanden, der zeitlebens vertrauensvoll mit Gott ringt und sich bereitwillig als Werkzeug seines Friedens in den Dienst der Welt stellen lässt.

Würdigung durch den Leitenden Komtur und eine besondere Überraschung
Am Ende des feierlichen Gottesdienstes ergriff der Leitende Komtur, Cfr. Prof. Dr. Christopher Wolf, das Wort, um dem Jubilar im Namen der gesamten Komturei und der Ordensprovinz zu danken. Er würdigte Cfr. Reger, der die Mission des Ritterordens seit seiner Investitur 2014 in Freiburg und seit 2021 als Prior mit unermüdlichem Engagement und feiner Herzlichkeit prägt. Besonders hob Wolf die herausragende Gabe des Priors hervor, hochkomplexe theologische und fundamentaltheologische Fragen verständlich zu erden und präzise in eine lebendige Sprache von heute zu übersetzen. Dies zeige sich sowohl in seinen profunden Essays für renommierte Zeitschriften wie die Stimmen der Zeit als auch durch seine hochkarätige Berufung in die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste in Salzburg.
Darüber hinaus fand der Leitende Komtur sehr persönliche Worte für den vielseitigen Charakter des Priors: Er beschrieb Cfr. Reger als tatkräftigen und nahbaren Seelsorger, der auch einmal mit dem E-Scooter durch die Stadt flitze und über Generationen hinweg ein gefragter Begleiter für Schülerinnen und Schüler gewesen sei. Seine Begeisterung im interreligiösen Dialog als Islambeauftragter werde bundesweit geschätzt und angefragt. Auch seine außergewöhnliche Gastfreundschaft im tiefsten biblischen Sinne – nicht zuletzt als exzellenter Koch – zeichne ihn aus. Wolf dankte ihm von ganzem Herzen für sein tiefes geistliches Fundament, seinen hintergründigen Humor und das unschätzbare gemeinsame Gehen.
Da im Laufe von vier Jahrzehnten im priesterlichen Dienst traditionell kein Mangel an Kerzen, theologischer Literatur oder frommen Bildern entsteht, überraschte die Komturei ihren Prior mit einem zutiefst persönlichen und augenzwinkernden Geschenk: dem Lego-Set der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Dieses besondere Präsent verbindet auf charmante Weise die private Leidenschaft des Jubilars für anspruchsvolles Bauen und meisterhafte Orgelmusik mit der sprichwörtlichen Geduld, die sein Wirken im Weinberg des Herrn auszeichnet. Es ist zugleich ein schönes Sinnbild dafür, dass echtes Bauen im Geist des Evangeliums oft dort am leichtesten gelingt, wo man sich ohne starre Schablonen, aber mit viel Freude und Freiraum gegenseitig ergänzt.
Beim anschließenden festlichen Beisammensein klang der Tag so aus, wie es dem Wirken des Priors entspricht: getragen von tiefer Verbundenheit, ansteckender Lebensfreude, gutem Austausch und dem gemeinsamen Ringen um die existenziellen Fragen unserer Zeit.

