Familientag der Komturei Hrabanus Maurus Fulda
Jeder Ritter und jede Dame kennt die Textstelle aus dem 6. Kapitel des Epheserbriefes, in der es unter anderem heißt: „Zieht an die Waffenrüstung Gottes.“ Bei jeder Investitur werden diese Worte erwähnt. Auch das „Ave Maria“ ist wohlbekannt. Was aber verbindet diese beiden so unterschiedlichen Texte?

Umgürtet … und beschuht … nehmt den Helm
(Eph 6,14–17)
Für die Ritterjugend der Komturei Hrabanus Maurus Fulda wurden diese Worte beim Familientag am Volkersberg in der Rhön in einem ganz anderen Zusammenhang Wirklichkeit: Die Aufforderungen der Coaches Ryan und Steffi – „So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden (14) … und beschuht an den Füßen (15) … und nehmt den Helm (17)“ – dienten der Vorbereitung auf eine ganz besondere Herausforderung.

Seid stark im Herrn
(Eph 6,10)
Gemeinsam galt es für die acht Jugendlichen und die beiden mutigen Ritter Johannes und Martin, den Parcours des Hochseilgartens der Jugendbildungsstätte zu bewältigen und dabei in Teamarbeit auch eigene Grenzen zu überwinden. Der Aufruf „Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke“ wurde dabei zum Leitmotiv der dreistündigen Aktion, die unter den wachsamen Augen und dem Segen des Geistlichen Zeremoniars der Deutschen Statthalterei, Cfr. Dr. Wolfgang Hartmann, stattfand.

Bitten und Flehen im Geist
(Eph 6,18)
Ihm und den anderen anwesenden Rittern und Damen kam die Aufgabe zu: „Betet allezeit mit allem Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit und Flehen.“ Mit dieser mentalen Unterstützung im Gebet und den zugerufenen Ermutigungen des „Bodenteams“ gelang es tatsächlich allen zehn Kletterern, sämtliche Hürden in luftiger Höhe zu überwinden.

Jakobsleiter und Himmelsschaukel
Gewachsen an mentaler Stärke und reich an neu gewonnenen Fertigkeiten, die der aktuelle Dombaumeister beispielsweise bei der Reinigung der Domkuppel in Kletterseiltechnik einsetzen könnte, kehrte das Kletterteam sicher auf den Boden der Tatsachen zurück. Da die Jakobsleiter an diesem Tag nicht Teil des Parcours war, nutzte das Team die Himmelsschaukel, um sich zum Abschluss noch einmal gegenseitig und mit vereinten Kräften dem Himmel ein ganzes Stück näherzubringen.

Klosterschänke und Klosterkirche
Das gemeinsame Mittagessen in der Klosterschänke am Volkersberg füllte die Energiereserven aller Anwesenden wieder auf. Leiblich gestärkt konnten sie anschließend in der Messe mit dem Prior der Komturei, Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph G. Müller, in der Klosterkirche auch ihre geistlichen Batterien wieder aufladen.

Maria Königin
Genau eine Oktav nach dem Hochfest Mariä Himmelfahrt am 15. August wird seit 1954 der von Papst Pius XII. eingeführte Gedenktag „Maria Königin“ am 22. August gefeiert. Zu diesem Anlass lenkten die Texte aus Jesaja 9,5 („Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt.“) und aus der Verkündigung der Geburt Jesu in Lukas 1 den Blick auf Maria, die Mutter Jesu.
Ihr „Ja“ zur Botschaft des Engels sei, so Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph G. Müller, ein Paradebeispiel für die mutige Annahme einer herausfordernden Aufgabe. Maria habe kaum ermessen können, ob sie dieser Aufgabe gewachsen sein würde, und doch habe sie sich im festen Vertrauen auf Gott der unbekannten Herausforderung gestellt.

Vertrauen und Zuspruch
Genau diese Erfahrung Mariens sei im Grunde auch die Erkenntnis, die man als Absolvent des Hochseilparcours mitnehmen könne: Selbst mit einer Ausrüstung aus festen Schuhen, Gurt und Helm wäre wohl kein Kletterer in den Parcours gestiegen, hätte er nicht darauf vertraut, dass die doppelte Hakensicherung einen Absturz unmöglich macht. Und doch gab es immer wieder Situationen, in denen vor allem die eigenen Zweifel und Bedenken überwunden werden mussten – nicht zuletzt durch den Zuspruch der Teamkameraden.

Ave Maria in 406 Sprachen
In seiner Homilie präsentierte Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph G. Müller den Anwesenden das kürzlich erschienene Buch „Ave Maria in 406 Sprachen“. Cfr. Dr. Oliver Cerza, Pressesprecher der Deutschen Statthalterei, hat jenes von Katholiken weltweit gesprochene Gebet in den verschiedensten Sprachen und Dialekten in jahrelanger Recherche zusammengetragen.
Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph G. Müller zufolge beinhalte das Gebet zur Mutter Gottes nicht nur die Kurzfassung der Verkündigung als Rückblick auf eine Grundlage des christlichen Glaubens, sondern verleihe mit der Bitte um die Fürsprache Mariens zugleich dem Ausblick auf die Zukunft und der Hoffnung auf die Erfüllung des Glaubens Ausdruck.

Vertrautes in fremden Zungen – Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
Einer letzten unerwarteten Herausforderung stellten sich die in der ersten Kirchenbank versammelten Jugendlichen, als der langjährige Schulpfarrer Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph G. Müller sie spontan bat, das „Ave Maria“ in verschiedenen Sprachen vorzutragen, die sie im Schulunterricht erlernt hatten.
Abschließend ermutigte der ehemalige Geistliche Zeremoniar alle Anwesenden, als geistige Übung in einer ruhigen Stunde das vertraute Gebet in „fremden Zungen“ wie Khoisan oder Urdu zu erspüren.

Schubert und der Entertainer
Natürlich darf auch die Musik als Sprache und Kommunikationsmittel verstanden werden: So erklang während der Kommunion die berühmte Schubert-Vertonung des „Ave Maria“, gespielt von Cfr. Thomas Nüdling an der Orgel, bevor der „Entertainer“ Jung und Alt beschwingt in das restliche Wochenende hinausziehen ließ.
