„Wir aber verkünden Christus als den Gekreuzigten.“ (1 Kor 1,23)

Wer das Kreuz betrachtet, sieht zunächst das Zeichen des Scheiterns. Einen Verurteilten. Einen Menschen, der scheinbar allen Mächten dieser Welt unterlegen ist. Genau darin liegt das Ärgernis des Kreuzes: Gott rettet die Welt nicht durch Gewalt, sondern durch Liebe. Er siegt nicht, indem er andere niederwirft, sondern indem er sich selbst hingibt.

Das Fest der Kreuzerhöhung lädt uns ein, diesen Blick zu lernen. Das Kreuz wird nicht erhöht, weil das Leiden an sich etwas Erstrebenswertes wäre. Es wird erhöht, weil sich in ihm die ganze Größe der göttlichen Liebe offenbart. Das Holz des Fluches wird zum Baum des Lebens. Der Ort der tiefsten Erniedrigung wird zum Ort der höchsten Verherrlichung. Wo der Mensch nur das Ende sieht, beginnt Gott einen neuen Anfang.

Für uns als Ritter vom Heiligen Grab erhält dieses Geheimnis eine besondere Tiefe. Unser Orden trägt den Namen des leeren Grabes, aber sein Weg führt notwendig über Golgota. Das Heilige Grab ist ohne das Kreuz nicht zu verstehen. Die Auferstehung ist keine Verdrängung des Karfreitags, sondern seine Vollendung. Das Licht des Ostermorgens fällt auf die Wunden des Gekreuzigten – und gerade deshalb werden sie zu Zeichen des Lebens.

Gerade daraus erwächst unser Auftrag. Das Kreuz ist keine Auszeichnung, die wir tragen, sondern ein Maßstab, an dem wir uns messen lassen müssen. Wer das Jerusalemkreuz auf der Brust trägt, ist berufen, ein Zeuge der versöhnenden Liebe Christi zu sein – in der Familie, in der Kirche und besonders im Heiligen Land. Die Christen dort brauchen unsere Verbundenheit, unser Gebet, unsere konkrete Hilfe und unsere Hoffnung.

Die Erhöhung des Kreuzes bedeutet schließlich auch die Erhöhung des Menschen. Denn am Kreuz offenbart sich nicht nur, wer Gott ist, sondern auch, wer der Mensch sein kann: einer, der liebt bis zur Hingabe. Wo Menschen vergeben statt zu vergelten, dienen statt zu herrschen und Frieden stiften statt Feindschaft zu säen, dort wird die Kraft des Kreuzes sichtbar.

So wird das Kreuz zu unserer Hoffnung, das Heilige Grab zum Zeugnis des Lebens und unser Dienst im Orden zu einem stillen, aber glaubwürdigen Bekenntnis: Christus hat die Welt nicht durch Macht erlöst, sondern durch die Allmacht seiner Liebe.

The owner of this website has made a commitment to accessibility and inclusion, please report any problems that you encounter using the contact form on this website. This site uses the WP ADA Compliance Check plugin to enhance accessibility.
OESSH - Deutsche Statthalterei

Kostenfrei
Ansehen