Über vierzig Ordensgeschwister, Kandidatinnen, Kandidaten und Gäste nahmen am Einkehrwochenende der Ordensprovinz Südwestdeutschland in Untermarchtal teil. Prior Cfr. Winfried Schwab OSB und Pfarrer Hans-Joachim Fogl beleuchteten aus unterschiedlicher Perspektive das Thema „Weltkirche und Ritterorden“.

Die Fastenzeit, so der Präsident der Ordensprovinz Südwestdeutschland, Cfr. Dr. Joachim Desprez, im Einladungsschreiben, sei immer ein guter Anlass, sich intensiver mit Fragen des Glaubens und der Spiritualität zu beschäftigen. Zudem biete der Einkehrtag die Möglichkeit, sich auf die Passionszeit und Ostern einzustimmen.

Hat unsere Gemeinschaft einen missionarischen Auftrag? Was will der Orden eigentlich? Anhand der Satzung ging der Prior in seinem Vortrag diesen Fragen nach und merkte an, es sei auch ein Auftrag an uns selbst, nach den Wurzeln des Ordens zu suchen und den sich daraus für die Ordensfamilie ergebenden Verpflichtungen nachzugehen, auch im Hinblick auf die Weltkirche, der jeder Christ angehöre.

Die besondere Verbindung des Ordens zu Jerusalem verlange Verantwortung für die heiligen Stätten. Der besondere Auftrag bestehe darin, in der kirchlichen Gemeinschaft den Eifer für das Land Jesu zu wecken und dort die katholische Kirche und die christliche Präsenz zu unterstützen.

Solidarität und Friedenspflicht

Gefordert seien Mut im Kampf für Gerechtigkeit und Frieden sowie die Bereitschaft, Farbe zu bekennen, wenn die Situation es erfordere. Im Vordergrund stünden Solidarität, die Sorge um die christliche Präsenz im Heiligen Land, die Aufgabe, sich aktiv einzubringen, sowie die Zusammenarbeit mit anderen Körperschaften und Organisationen, die im Heiligen Land gleichartige Ziele verfolgten.

Der sogenannte „Status quo“ regelt das Miteinander der christlichen Kirchen in der Grabeskirche. Ein Bericht über Handgreiflichkeiten unter orthodoxen Mönchen, über die die Presse vor einigen Jahren berichtete, machte die Forderung nach einem respektvollen und friedfertigen Zusammenleben deutlich. In den Worten des vormaligen Kustos der Heiligen Stätten und heutigen Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Pierbattista Kardinal Pizzaballa: „Welche Glaubwürdigkeit haben wir denn, wir Christen, wenn wir alle nahöstlichen Konfliktpartner zum Dialog aufrufen, aber selbst unsere Konflikte mit Gewalt austragen?“

Jedes Ordensmitglied, betonte Prior Cfr. Winfried Schwab OSB nachdrücklich, sei in aller Welt aufgerufen, Solidarität zu üben, sich selbst zurückzunehmen und für Minderprivilegierte einzustehen. Verzicht solle es möglich machen, andere zu unterstützen. Es sei an uns, nach draußen zu gehen und über unsere Werte zu sprechen.

(c) oessh.net / Ulrika Stützle

Die Vita von Hans-Joachim Fogl, seit 2020 Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Talgang in Albstadt und seit einiger Zeit Kandidat unseres Ordens, ist maßgeblich mit seinem Einsatz für die Weltkirche verbunden. Nach der Priesterweihe war er zunächst sieben Jahre Direktor am Bischöflichen Kolleg in Ehingen, sodann drei Jahre lang Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde Santa Maria dell’Anima in Rom. Von 2004 bis 2020 oblag ihm die Seelsorge für die deutschsprachige Gemeinde in Singapur. Weitere Stationen waren Aushilfen in Hongkong (2006 bis 2009), Pfarrer in Kuala Lumpur in Malaysia (2008 bis 2020), Koordinator der Region Süd-Ost-Asien-Australien (2009 bis 2020), Pfarrer in Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam (2015 bis 2020) sowie Seelsorger für Penang in Malaysia.

Seelsorge in Südostasien

Unterstützung erhält die deutschsprachige Seelsorge im Ausland, auch in Singapur, durch das Katholische Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. 1921 ursprünglich für deutsche Auswanderer in Nordamerika, Australien und weiteren Ländern gegründet, werden derzeit weltweit 120 Gemeinden betreut. Heute zählen vorwiegend deutschsprachige Expats, Studenten, Touristen und Familien zur Zielgruppe.

Im wirtschaftlich prosperierenden, multiethnisch geprägten Stadtstaat Singapur leben auf 730 km² 6 Millionen Einwohner, 75 % von ihnen Chinesen, 13 % Malaien und 9 % Inder. Es herrscht Religionsfreiheit, von der die Zeugen Jehovas wegen ihrer Ablehnung des Wehrdienstes ausgenommen sind. Nicht geduldet wird auch der Aufruf zu Gewalt. 19 % der Einwohner sind Christen, 350.000 bekennen sich zum katholischen Glauben, davon 170.000 Einheimische.

Die Kirchengemeinde bietet den Deutschsprachigen einen Ort des Zusammenseins. Man feiert gemeinsam den Sonntagsgottesdienst und kommt mit anderen in Kontakt. Familien treffen sich und verabreden gemeinsame Aktivitäten. Nicht wenige finden zum Glauben zurück und treten wieder in die Kirche ein. Den Mitgliedern ist bewusst, dass die Gemeinde „auf sich schauen muss“, also auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist. Entsprechend großzügig fällt das Spendenaufkommen aus.

Verbindungen aufrechterhalten

Der Erfahrungsbericht über die „Katholische Kirche in Südostasien“ spannte einen weiten Bogen. Der Referent konnte in seinem eindrucksvoll bebilderten Bericht aus dem Vollen schöpfen. Um seinen Aufgaben nachkommen zu können, war er oft im Flugzeug unterwegs und sah sich an den zu besuchenden Orten mit unterschiedlichen Kulturen, Sprachen, Religionen und politischen Systemen konfrontiert. Nicht überall hatte er es leicht. Mancherorts müssen Christen mit Diskriminierung rechnen. Missionierung ist stellenweise strikt untersagt. Trotzdem gelingt es, die Verbindung zu den weit entfernt liegenden katholischen Gemeinden aufrechtzuerhalten. Und dies ganz im Sinne und Auftrag der Weltkirche, der auch unsere Ordensgemeinschaft angehört.

(c) oessh.net / Ulrika Stützle

Die ermutigende spirituelle Begleitung oblag beim Abendlob am Freitag dem Geistlichen Zeremoniar Cfr. Franz Lang. Das den Samstag abschließende Abendgebet wurde von Pfr. Fogl gestaltet, und dem Gottesdienst an Laetare stand der Prior vor, assistiert von Diakon Cfr. Jean-Jacques Kambakamba. Sr. Luise Ziegler von den Vinzentinerinnen des Klosters Untermarchtal blieb es vorbehalten, unsere Gemeinschaft kenntnisreich und engagiert durch die Rosenkranzkapelle und die Klosterkirche zu führen und damit den Schlusspunkt eines harmonischen und beeindruckenden Wochenendes zu setzen.

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